Dokumentation

Donnerstag, 04. Januar 2018, 22.15 Uhr

Thema: Flucht aus der DDR

22.15/4.15 Uhr Flucht in die Freiheit - Mit dem Mut der Verzweiflung

Ein Stuntman stellt die spektakuläre Flucht von Holger Bethke am 31. März 1983 mit einer Drahtseilbahn nach.   Ein Stuntman stellt die spektakuläre Flucht von Holger Bethke am 31. März 1983 mit einer Drahtseilbahn nach.

Sie sprangen über Stacheldraht, fälschten Pässe, riskierten ihr Leben im Todesstreifen, kaperten U-Bahnen – einer stahl sogar einen Panzerwagen, um die Mauer zu überwinden. Nachdem das SED-Regime in der Nacht zum 13. August 1961 in Berlin die Sektorengrenzen zum Westen geschlossen hatte, versuchten Tausende die Absperrungen zu durchbrechen und in den Westen zu fliehen. Die zweiteilige Dokumentation widmet sich einigen besonders bewegenden Flüchtlingsschicksalen.

Fluchttunnel galten in den ersten Jahren nach dem Mauerbau als vermeintlich sicherster Weg, um in den Westen zu gelangen. Zwischen 1961 und 1964 herrschte in Berlin eine regelrechte „Tunnelkonjunktur“. Dutzende unterirdische Gänge wurden von West nach Ost und Ost nach West durch den Boden getrieben. Doch für viele wurde dieser Fluchtweg zum Verhängnis: „Tunnelgräber“ galten in der DDR als Staatsfeinde, auf sie wurde Jagd gemacht. In einer erst kürzlich entdeckten „Tunnelkartei“ des Ost-Berliner Ministeriums für Staatssicherheit sind über 200 Versuche dokumentiert, die Mauer zu unterlaufen - nur 19 waren erfolgreich. Die Stasi war erstaunlich gut informiert über die unterirdischen Aktivitäten. Die Akten belegen, mit welchem Aufwand, aber auch mit welcher Gewalt DDR-Grenztruppen und die Staatssicherheit die zahlreichen Tunnelgräber verfolgten. Dennoch gelangten insgesamt über 250 DDR-Bürger unter der Erde „nach drüben“.

Film von Jörg Müllner, ZDF/2009

23.00 Uhr Flucht in die Freiheit - Mit allen Mitteln

Mit jeder geglückten Flucht wurden die Schlupflöcher in den DDR-Grenzanlagen beseitigt. Der Ausbau der Mauer wurde bis ins Wahnhafte perfektioniert - in den 70er Jahren setzte die DDR so genannte Selbstschussanlagen ein. Den „imperialistischen Schutzwall“ ließ sie sich einiges kosten: Rund eine Milliarde Ost-Mark flossen jährlich allein in die Instandhaltung der circa 1400 Kilometer langen innerdeutschen Grenze. Dennoch suchten immer wieder Menschen nach neuen Wegen, das ausgeklügelte Grenzsystem der DDR zu überlisten.

Mit einem selbstgebauten Heißluftballon planen die Familien Strelzyk und Wetzel ihre Flucht in die Freiheit. Die Vorbereitungen dauern Monate. Am 3. Juli 1979 misslingt der erste Versuch. Nur zweihundert Meter vor dem Todesstreifen bleibt der Ballon in den Bäumen hängen. Erst Tage später entdecken ihn die Grenztruppen. Nun ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Spur die Stasi zu den Fluchtwilligen führt. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Tag und Nacht nähen die Familien an einem neuen, größeren Ballon. Am 16. September 1979 wagen sie den zweiten Versuch. Doch auch dieses Mal läuft nicht alles nach Plan. Der Ballon reißt, der Gasbrenner setzt aus. Die Grenzer entdecken den Ballon und erbitten um Schießbefehl aus Berlin. Doch als der eintrifft, ist der Ballon bereits mit Bruchlandung im Westen angekommen. Die Flucht im selbst genähten Heißluftballon sorgt weltweit für Schlagzeilen. 1981 wird sie in Hollywood verfilmt.

Auch die jungen Ostberliner Hobby-Surfer Karsten Klünder und Dirk Deckert wollen die Bespitzelungen und Gängelein in der DDR nicht länger ertragen. Frei reisen, segeln und surfen - davon träumen sie. Heimlich besorgen sie sich aus dem Westen Konstruktionspläne moderner Funboards: Surfbretter, die gleiten können und auch bei starkem Wind noch zu fahren sind. Im November 1986, als die Herbststürme über das Land fegen, wagen sie das Unmögliche: Flucht quer über die Ostsee, 70 Kilometer von Rügen über Hiddensee nach Dänemark.

Doch rund 1300 Menschen hat die deutsch-deutsche Grenze in den 28 Jahren ihres Bestehens das Leben gekostet. Über 130 davon starben an der Berliner Mauer.

Film von Oliver Halmburger, ZDF/2009

23.45 Uhr Tödliche Grenze - Der Schütze und sein Opfer

Im Dezember 1979 endet die Flucht von zwei fünfzehnjährigen Schülern aus der DDR an der innerdeutschen Grenze bei Sorge im Harz tragisch. Heiko Runge stirbt durch einen Schuss in den Rücken, Uwe Fleischhauer wird festgenommen. Er, der überlebte, hat sich nun dazu durchgerungen, zum ersten Mal vor einer Kamera über das damals Geschehene zu sprechen. Auch ehemalige Grenzsoldaten brechen in dem Film zum ersten Mal ihr Schweigen. Die Stasi vertuschte den Zwischenfall damals, um einen öffentlichen Skandal, der das internationale Ansehen der DDR weiter beschädigen könnte, zu verhindern. Ein umfassender Maßnahmenplan wurde ausgearbeitet, Urkunden gefälscht, Akten manipuliert und Zeugenaussagen frisiert.

Auch die Mutter des erschossenen Jungen wurde eingeschüchtert und die Beerdigung ihres Sohnes Heiko musste geheim gehalten werden. Bis zum Ende der DDR kamen mindestens 13 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren bei Fluchtversuchen an der innerdeutschen Grenze ums Leben. Heiko Runges Geschichte steht exemplarisch für diese Fälle. Doch auch diese Frage stellt sich: Wie war es möglich, dass aus unbescholtenen jungen DDR-Bürgern, die ihren Grundwehrdienst an der Grenze verrichteten, Todesschützen wurden?

Film von Volker Schmidt-Sondermann, ZDF/2015


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