Dokumentation

Samstag, 16. September 2017, 22.30 Uhr

Als wir die Zukunft waren - Sieben Geschichten aus einem verschwundenen Land

In autobiografischen Streifzügen erzählen verschiedene Regisseure, die in der DDR heranwuchsen, von der Suche nach dem Land ihrer Kindheit und Erlebnissen, die sie prägten. Geschichten aus der DDR der 1950er und 1960er Jahre. Erinnerungen an das ganz normale Leben im Osten. Die Autoren fragen sich: „Wie war das, als wir Kinder des Sozialismus waren?“

Sie waren neugierig und verwundbar, angepasst und widerspenstig. Sie wollten oder sollten das neue, bessere Deutschland mit aufbauen und die sozialistische Zukunft gestalten. Erinnerungen an den Alltag im geteilten Berlin und das Leben in der DDR- Provinz, Familienausflüge und Freundschaften, West-Pakete und 8mm-Filme.

Sehr persönliche Filmepisoden atmen das Leben in Ostdeutschland und in dem geteilten Berlin jener Jahre. Die Filmemacher, eine Regisseurin und sieben Regisseure, kennen sich von der Filmhochschule in Babelsberg, oder aus den DEFA-Studios. Für dieses Projekt kamen sie erneut zusammen. Mit unterschiedlichen Handschriften und künstlerischen Mitteln berichten sie von ihren Kindertagen, von ihrem kindlichem Stolz und jugendlichem Aufbegehren, von Hoffnungen und Enttäuschungen. Gemeinsam fragen sie sich: „Wie war das, als wir Kinder des Sozialismus waren?“

Peter Kahanes Eltern kommen Ende der 1940er Jahre aus der Emigration zurück nach Ostberlin. Die Familienausflüge nach Westberlin nutzt er, um amerikanische Western zu sehen und sie mit den russischen Reiterfilmen zu vergleichen, die das Kino in Pankow spielt.

Arbeiter und Angestellte aufs Land, so heißt die Kampagne, die die junge Familie von Gabriele Denecke für kurze Zeit in die Provinz verschlägt, bevor sie nach Berlin zurückkehrt, und Gabriele die Unterschiede zwischen Ost- und Westkaugummi bei heimlichen Grenzübertritten kennenlernt.

Andreas Voigt - das Buchhändlerkind aus Dessau - wollte vor allem Gutes tun und dazugehören. Als junger Pionier Flaschensammeln für die Kinder in Kuba und für den Weltfrieden kämpfen - das waren die Ideale, an die er glaubte.

Dass man als kleiner Junge in Erfurt der 50er Jahre große Abenteuer erleben kann, auch wenn sich der Traum vom Westpaket nicht erfüllt, davon erzählen die 8mm-Filme, die Lars Barthel zu seinem Film über seine lebenslustige Familie neu komponiert hat.

Ralf Marschalleck wächst in Weimar auf. Sein Bild der heilen sozialistischen Familie zerbricht, als sich der Vater über Nacht in den Westen absetzt. Die Entwicklung des enttäuschten und trotzigen Jugendlichen zeichnet Marschalleck in seinem Film nach.

Der Zug hält in Bad Kleinen und einer steigt aus. Dieter Schumann beginnt so die Suche nach wichtigen Orten und Menschen aus seiner Kindheit und Jugend. Und er findet sie den alten Freund, die ehemalige Lehrerin und sein Orchester.

Der Vater weg und die Mutter sterbenskrank - Hannes Schönemann und seine Schwestern werden in Rerik in einem staatlichen Kinderheim untergebracht. Für ihn beginnt ein Alptraum. Sein Traum: die Flucht aus der DDR.

Auf den Spuren der Rolling Stones und in Erwartung westlichen Lebensgefühls verbringt der 17-jährige Abiturient Thomas Knauf die großen Ferien 1968 in Warschau. Nach dem russischen Einmarsch in Prag wird er in Warschau verhaftet. Statt Studentenclubs lernt er den Knast kennen.

Film von Gabriele Denecke, Lars Barthel, Peter Kahane, Thomas Knauf, Ralf Marschalleck, Hannes Schönemann und Andreas Voigt, RBB/2015


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