Dokumentation

Mittwoch, 26. Juli 2017, 22.15 Uhr

THEMA: Kriminalfälle

22.15 Uhr Der Vater, der seine Familie auslöschte

Die Eltern Lamm können sich die Fotos der ermordeten Familie nur schwer ansehen.   Die Eltern Lamm können sich die Fotos der ermordeten Familie nur schwer ansehen.

Der junge Vater Stefan Lamm, der nach außen ein perfektes Bild abgibt, bringt im Januar 2012 seine Frau, die beiden kleinen Kinder und zum Schluss sich selbst um. Er steckt die Wohnung in Brand. Übrig bleibt ein Abschiedsbrief, der zeigt, wie akribisch Lamm den erweiterten Suizid geplant hat. Freunde und Verwandte waren ahnungslos. Sie sind vier Jahre nach der Tat immer noch geschockt. Warum löscht ein Mann, fleißig im Beruf und immer lieb zu seinen Kindern, seine Familie aus? Hätten sie vorher etwas merken müssen? Die Autoren Katharina Gugel und Ulf Eberle haben jahrelang recherchiert, bis endlich Angehörige in der Lage und bereit sind, über die Tat und das Trauma danach zu reden.

Die Eltern der ermordeten Yvonne suchen immer noch nach dem einen, triftigen Grund für die Tat. Sie fanden heraus, dass Stefan Lamm 30.000 Euro Schulden hatte. Aber ist das ein Grund für eine solche Verzweiflungstat?

Er hätte doch Hilfe bekommen. Yvonnes bester Freundin Jenny fiel auf, dass Stefan Lamm immer der Beste, immer perfekt sein wollte. Er habe sogar im Anzug renoviert. Hätte sie etwas merken müssen, etwas sagen sollen? Die meisten Vorwürfe macht sich Freund André, der in den letzten Monaten vor dem Mord bemerkt hatte, wie stark sich Stefan veränderte, aber über Probleme nicht reden konnte.

Die Tragödie aus Langenfeld ist kein Einzelfall: Die Familienfassade ist heil, Brüche und Probleme werden mit aller Kraft verdeckt, bis die Tat für den Täter unausweichlich scheint. Für die Einordnung des Einzelfalls sorgen zwei Psychologinnen. Heidi Kastner von der Uni Linz - eine Koryphäe in der Begutachtung von Tätern - hat Stefan Lamms langen Abschiedsbrief analysiert. Sie erkennt eine narzisstische Störung - häufig die Ursache für einen erweiterten Selbstmord.

Erika Jungbluth behandelt in ihrer Praxis viele narzisstisch gestörte Patienten. Sie fallen kaum auf in einer Gesellschaft, in der Selbstoptimierung und Perfektionismus als erstrebenswert gelten.

Film von Ulf Eberle und Katharina Gugel, WDR/2016

23.00 Uhr Der Ehemann, der seine Frau vergrub

Ein Mann tötet seine Frau. Er vergräbt sie im Keller und erzählt seinen Kindern, dass die Mutter die Familie verlassen habe. Fünf Jahre wird es dauern, bis die Wahrheit ans Licht kommt.  Was in einem Familiendrama endet, begann einst unbeschwert und glücklich. Die Eltern arbeiten als junge Leute im gleichen Hotel, verlieben sich, heiraten, bekommen zwei Kinder.  Doch das Paar hatte sich längst zerstritten. Immer wieder ging es ums Geld, um Schulden - und darum, wie es weiter gehen soll. An einem Morgen im Jahr 2008 dann eskaliert der Streit.

Der Mann erwürgt seine Frau im Badezimmer des gemeinsamen Hauses und betoniert die Leiche dann im Keller des Hauses ein. Er erzählt allen, dass seine Frau ihn nach einem heftigen Streit verlassen habe.

Christina, seine Tochter, hört vom Vater jahrelang diese Geschichte. Die Tochter verzweifelt an der Ungewissheit. Sie sucht die Schuld bei sich, denkt, dass sie zu aufmüpfig war. Aber sie hofft jeden Tag auf einen Anruf von ihrer Mutter.

Die Polizei nimmt keine Vermisstenanzeige auf, weil der Ehemann glaubhaft vermittelt, seine Frau sei nach dem Streit einfach gegangen. Niemand zweifelt im Lauf der Jahre an dieser Geschichte, bis Christina volljährig wird und sich an die Medien wendet. Daraufhin wird auch die Polizei aktiv - und nun gerät der Vater in den Fokus. Christina will nicht glauben, dass ihr Vater etwas mit dem Verschwinden ihrer Mutter zu tun haben könnte. „Papa ist ein herzensguter Mensch“, betont sie immer wieder. „Der kann keiner Fliege was zuleide tun.“

Bei einer Hausdurchsuchung kommt die Wahrheit ans Licht - und Christina verliert den Halt, weiß nicht mehr, wem oder was sie glauben kann. „Er hat mich fünfeinhalb Jahre lang belogen, war aber auf der anderen Seite ein guter Vater. Das macht die Sache fürchterlich schwer“, sagt sie.

Kann die Tochter ihrem Vater, dem Mörder jemals verzeihen? Kann der Vater seiner Tochter erklären, warum er so gehandelt hat? Die Autoren Jule Sommer und Udo Kilimann rekonstruieren das Familiendrama mit Christina und ihrem Vater, dem ermittelnden Kriminalkommissar und dem Psychiater, der den Vater fürs Gericht begutachtet hat.

Film von Jule Sommer und Udo Kilimann, WDR/2016

23.45 Uhr Der Junge, der seinen besten Freund erschlug

„Die Jungs waren unzertrennlich, beste Freunde seit dem Kindergarten.“ Beate und Bernd Marx sind immer noch erschüttert, wenn sie berichten, wie ihr Sohn mit dem zwei Jahre älteren Marc von morgens bis abends auf ihrem Bauernhof Trecker fuhr, Feldarbeit verrichtete oder die Pferde striegelte. Leon, ihr Sohn, und sein enger Begleiter Marc, der quasi zur Familie gehörte. Marc ist der Mörder ihres Sohnes, und war bei fast jeder Familienfeier dabei. Warum kam es zu dem grausamen Mord? Hätte jemand vorher etwas merken und den Tod von Leon verhindern können?

Im beschaulichen Geseke, einer Kleinstadt im Ostwestfälischen, ereignet sich am 24. Juni 2014 ein grausiges Verbrechen. Ein 19-Jähriger richtet seinen besten Freund (17) auf grausame Weise hin. Warum? Diese Frage beschäftigt seitdem einen ganzen Ort. Neid, weil sein Freund Leon alles hatte? Streitereien um Mädels? Laut Verteidigung seien dies wohl die Motive für den in der Presse bezeichneten „Scheunenmord“. Doch reichen sie aus zur Erklärung einer derartigen Tat?

In einem spektakulären Prozess vor dem Landgericht Paderborn wird der 19-jährige Angeklagte Ende 2014 wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und wegen Totschlags zu einer Jugendstrafe von acht Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Die Eltern des Opfers, Beate und Bernd Marx, legen vor dem Bundesgerichtshof Revision ein. Das Urteil ist ihrer Meinung nach zu gering ausgefallen. Der BGH gibt der Familie Recht und hebt Ende 2015 das Urteil auf. Der gesamte Prozess wird nun in Paderborn wieder aufgerollt.

Brisant an dem Fall: Nur zwei Wochen vor dem Mord des Sohnes stirbt schon Bernhard Marx' Bruder. Dieser findet seinen Bruder auf dessen Hof, betrunken von der Treppe gestürzt. Doch merkwürdige Veränderungen im Haus stellen eine ganze Familie noch immer vor Rätsel.

Zwei Tote in einer Familie innerhalb von nur zwei Wochen. Eine Verbindung zwischen beiden Fällen schließt die Staatsanwaltschaft aus. Familie Marx muss nun ohne ihren Sohn und ohne den Bruder auskommen. Neben der Trauer eine enorme Belastung, denn beide haben auf dem großen Bauernhof intensiv mitgearbeitet.

Im Gefängnis lässt sich der Täter Marc zum Elektriker ausbilden. Von seinem Opfer Leon bleiben den Eltern nur ein überlebensgroßes Poster in seinem Kinderzimmer und die Hoffnung auf ein gerechtes Urteil für den Mörder.

Film von Nicole Rosenbach und Martin Rosenbach, WDR/2016

0.30 Uhr Wölfe im Schafspelz - Wie Kinder zu Opfern sexueller Gewalt werden

Die Tarnung ist perfekt: Viele Sexualtäter haben angesehene Berufe und kümmern sich scheinbar selbstlos um bedürftige Kinder. Fest verankert im sozialen Umfeld, geraten sie kaum in Verdacht. Ihre Opfer sind die Schwächsten: Kinder. Der Film beschäftigt sich mit zwei des Kindesmissbrauchs überführten Tätern und ihren jungen Opfern, die für ihr Leben gezeichnet sind. Der Film ist eine Spurensuche in einem System der geschickten Tarnung, des Schweigens und Wegschauens.

Wer hätte etwas merken und eingreifen müssen? Angesichts fortgesetzter schwerer sexueller Gewalt stellt sich die Frage: Wie ist es möglich, dass sich einzelne Täter unentdeckt Strukturen schaffen können für jahrelangen Missbrauch an Kindern?

Der Fall um Harry S. ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Einmal wegen der großen Anzahl der Opfer und der vielen Jahre, über die sich die Taten hingezogen haben. Aber auch wegen seines Berufs: Er war Kinderarzt, ein angesehener Mediziner an verschiedenen Kliniken, bis seine Taten aufflogen. Der 41-Jährige hat gestanden, sich über einen Zeitraum von 15 Jahren an 21 Jungen vergangen zu haben. Das jüngste Opfer war erst vier Jahre alt. Negativ aufgefallen ist der liebenswürdige Mann mit dem sozialen Engagement niemandem. Beim Bayerischen Roten Kreuz war Harry S. Vorstandsmitglied und Chefarzt. Diese Stellung nutzte er für sein dunkles Doppelleben: Mit dem offiziellen Rotkreuz-Logo trat er an Grundschulen heran und bot benachteiligten Schülern kostenlose Ausflüge an. Dabei kam es zu sexuellen Übergriffen an den Kindern. Die Polizei fand zahlreiche Fotos seiner Taten auf seinem Computer. Er wurde in erster Instanz zu 13 Jahren und sechs Monaten mit Sicherheitsverwahrung verurteilt. Doch Harry S. geht in Revision.

Auch im Fall des verurteilten Täters Peter B. war seine gesellschaftlich anerkannte Position die perfekte Tarnung. Der 41-jährige Gründer eines Vereins für Kinder im Brennpunkt in Schwerin wurde wegen 62-fachen, teils schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt. „Die Spitze des Eisbergs“ urteilt eine Anwältin, denn nach dem Urteil vom Februar 2016 melden sich jetzt immer mehr betroffene Kinder, so dass es ein weiteres Gerichtsverfahren geben wird.

Film von Nicole Rosenbach, WDR/2016


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