Dokumentation

Donnerstag, 27. April 2017, 21.00 Uhr

Erstausstrahlung: Frauen im Knast – Zwischen Hoffnung und Koller

Dijana P. (32) lebt seit elf Jahren im zentralen Frauengefängnis für Niedersachsen in Vechta. Sie macht dort eine Ausbildung zur Köchin.; Bild: PHOENIX/ZDF/Ralf Heinze' (S2)   Dijana P. (32) lebt seit elf Jahren im zentralen Frauengefängnis für Niedersachsen in Vechta. Sie macht dort eine Ausbildung zur Köchin.

Mehr "Zickenkrieg" und weniger harte Gewalt - das gehört zum Alltag im Frauenknast. Knapp sechs Prozent aller Inhaftierten in Deutschland sind Frauen. Wie verläuft ihr Leben im Gefängnis? In der JVA für Frauen in Vechta sollen sie zu besseren Menschen werden: Dijana P., die seit elf Jahren im Gefängnis sitzt und Köchin werden will. Oder Melanie B., die hier ihren Drogenentzug bei Gefängnisarzt Dr. Karlheinz Keppler macht.

Für Dijana hat ihr elftes Jahr im Gefängnis begonnen. Sie hat eine lebenslange Haftstrafe wegen Raubmordes bekommen. Nach 15 Jahren könnte sie aber auf Antrag vorzeitig entlassen werden. Mit 21 Jahren ist Dijana in den Knast gekommen, heute ist sie 32. In Vechta beginnt sie eine Ausbildung zur Köchin, die ihr eine Perspektive für die Zukunft bieten soll. Dijanas Temperament macht ihr immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Sie fällt durch die entscheidende Prüfung.

Eine Gefängnisseelsorgerin hilft ihr durch das Jahr bis zum nächsten Prüfungstermin. Dijana schwankt zwischen Hoffnung auf ein normales Leben nach der Haft und Knastkoller. Um künftig mehr Lockerungen zu bekommen, muss Dijana eine mehrjährige Sozialtherapie beginnen. "Natürlich bereue ich meine Tat. Wenn ich könnte, würde ich die Zeit zurückdrehen", sagt sie heute.

Die 29-jährige Melanie B. sitzt wegen Beschaffungskriminalität für ihre Drogensucht. 60 bis 70 Prozent der inhaftierten Frauen haben ein Suchtproblem. Viele sind, wie Melanie, familiär vorbelastet, ihr Vater starb als Alkoholiker. Nur noch ihr Bruder steht ihr zur Seite. "Es war immer schwierig", zieht sie Bilanz. Nach einigen Monaten kann Melanie in den offenen Vollzug umziehen und bereitet sich auf ihre Entlassung vor. Bei Anstaltsarzt Dr. Keppler macht sie einen Drogenentzug.

Karlheinz Keppler (65) ist mit Leib und Seele Gefängnisarzt, seit 25 Jahren arbeitet er im Frauengefängnis. Sein Wartezimmer ist Anlaufstelle und Kommunikationszentrum. Hier werden Sorgen und Gerüchte ausgetauscht. Wo so viele unterschiedliche Menschen unfreiwillig auf engem Raum zusammen leben müssen, sind auch Konflikte vorprogrammiert. Jeder Flur hat eigene Regeln: Auf dem gefürchteten A-Flur, hier sind die Frauen am längsten eingeschlossen, fühlt sich die notorische Ladendiebin Silvia R. (59) am sichersten. Der G-Flur hingegen ist das Reich von Axana P. (45), die in Vechta sitzt, weil sie einen Mord an ihrem Geliebten in Auftrag gegeben haben soll. Sarah M. (29) hat mit ihrem kleinen Sohn einen der begehrten Plätze im Mutter-Kind-Haus bekommen, von denen es in Deutschland noch nicht einmal 100 gibt, viel zu wenig, findet der Gefängnisarzt.

Oliver Weßels ist der Leiter der Anstalt. Als Jurist und Sozialpädagoge tritt er für einen modernen Strafvollzug ein, der die besonderen Bedingungen der inhaftierten Frauen berücksichtigt. Die Atmosphäre im Frauengefängnis unterscheidet sich deutlich vom Männervollzug. Der Mensch soll im Mittelpunkt aller Therapien und Wiedereingliederungsmaßnahmen stehen, nicht die „Kriminelle“. Von der Akademikerin bis zur Analphabetin. Von der Betrügerin bis zur Mörderin. Mehr als 300 Frauen sitzen derzeit im niedersächsischen Vechta. Das Altersspektrum reicht von 14 bis 84. Der Film begleitet ein Jahr lang die dynamischen Beziehungen der Frauen untereinander.


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