Dokumentation Mein Ausland spezial

Donnerstag, 05. April 2018, 20.15 Uhr

Neue Heimat Ungarn - Eldorado für Rechtsextreme?

In Ungarn regiert seit acht Jahren Viktor Orbán. Er hat das Land umgekrempelt zu einem illiberalen Staat, wie er selbst sagt. Vorbild sind für ihn autoritäre Staaten wie China oder Russland. Die demokratischen Werte des Westens sind Orbán fremd, das wird er nicht müde zu betonen. Stattdessen preist er die ethnische Reinheit Ungarns, beschwört die Nation und beschimpft alle, die anders denken.

Ein kritisches Medium nach dem anderen musste dicht machen, Hilfsorganisationen werden dämonisiert, Flüchtlinge, die den Zaun überwinden, inhaftiert: Wer anders glaubt, denkt oder aussieht ist in Ungarn nicht willkommen. Orbán scheint mit seinem Kurs Erfolg zu haben: Dass er die Parlamentswahlen am 8. April 2018 für sich entscheiden wird, gilt als sicher, die Fidesz-Regierung hofft auf eine Zweidrittel-Mehrheit.

Während man sich in der EU die Augen reibt und versucht mit Vertragsverletzungs-Verfahren Druck auf Orbán auszuüben, ist Ungarn zum Anziehungspunkt für Rechtsradikale aus aller Welt geworden. Der ungarische Regierungschef gilt als Vorbild der neuen Rechten in Europa. Zwar behauptet er entschieden gegen die Rechtsaußenszene vorzugehen. Dem entgegen stehen Aussagen wie diese: „Aber natürlich wollen wir wahre Flüchtlinge reinlassen: Deutsche, Holländer, Franzosen und Italiener, erschreckte Politiker und Journalisten, die hier in Ungarn das Europa finden, das sie in ihren Heimatländern verloren haben", so Orbán im Februar 2017.

Eine Einladung, der zahlreiche Rechtsextreme gefolgt sind. Um den Schweden Daniel Friberg schart sich die internationale rechte Szene in Ungarn. Der Verleger rechtsextremer Literatur hat Budapest schon 2014 zu seiner Heimat auserkoren. „Meine Ansichten sind in Ungarn Mainstream. 80 Prozent der ungarischen Bevölkerung sind meine Verbündeten, ideologisch oder politisch“ sagt er.

Auch Ferenc Almassy, Betreiber einer rechtskonservativen Nachrichtenseite, hat seine Heimat Frankreich gen Ungarn verlassen. Die weiße Rasse werde im Westen zunehmend zur Minderheit, sagt der gebürtige Franzose mit ungarischen Wurzeln. Aus Liebe zu seiner neuen Heimat hat sich Almassy extra einen ungarischen Künstlernamen zugelegt. Viktor Orbán hält er für ein politisches Ausnahmetalent. „Viktor Orbán ist wie ein Fuchs. Er ist wirklich schlau und hat ein gutes Gefühl dafür, was er wann sagen kann“ sagt Ferenc Almassy.

Quo vadis Ungarn – wird das Land mehr und mehr zum Knotenpunkt der rechtsextremistischen Szene, ein Rückzugsraum, in dem sich Rechtsextreme organisieren können? ZDF-Südosteuropa-Korrespondentin Eva Schiller und die Autorin Katrin Molnár blicken auf das rechte Netzwerk in Ungarn sowie auf den Einfluss auf die Szene in Europa und den USA.


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