Dokumentation

Montag, 12. Februar 2018, 18.30 Uhr

Deutschland-Saga

18.30 Uhr Deutschland-Saga - Woher wir kommen

Christopher Clark begegnet den Gebrüdern Grimm, deren 'Kinder- und Hausmärchen'- gleich nach der Lutherbibel - das weltweit meistverbreitete Buch der deutschen Kulturgeschichte ist und in mehr als 160 Sprachen übersetzt wurde.; Bild: PHOENIX/ZDF/Oliver Vaccaro' (S2)   Christopher Clark begegnet den Gebrüdern Grimm, deren "Kinder- und Hausmärchen"- gleich nach der Lutherbibel - das weltweit meistverbreitete Buch der deutschen Kulturgeschichte ist und in mehr als 160 Sprachen übersetzt wurde.

Ein Vierteljahrhundert ist vergangen seit dem Mauerfall. Eine friedliche Revolution – selten in der Weltgeschichte. „Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört“, lautet ein berühmtes Zitat. Doch was gehört da eigentlich zusammen? Der australische Historiker und Autor Christopher Clark geht auf Erkundungsreise durch die Bundesrepublik. Die TV-Reihe ist ein ebenso opulenter wie überraschender Streifzug, bei dem die Zuschauer auch den Superstars deutscher Geschichte begegnen. Sie erleben weltverändernde Leistungen, großartige Landschaften und jene liebenswerten Eigenheiten der Deutschen, die auch heute noch unser Bild im Ausland prägen. Ob es die Liebe zum „Schrebergarten“, die so genannten deutschen Tugenden oder das „Abendbrot“ sind.

Die Frage nach den deutschen Ursprüngen führt Christopher Clark zunächst auf die Schwäbische Alb, wo vor rund 14.000 Jahren steinzeitliche Jäger lebten. Im Eselsburger Tal stellte der Homo sapiens Rentieren und Bären nach, suchte Schutz in den Höhlen der Kalkfelsen und fertigte raffinierte Steinwerkzeuge an. Die Deutschen jener Zeit waren durchaus schöpferisch, ihre Erfin­dungen „made in Germany“ fanden schon damals weite Verbrei­tung. Doch sind die urzeitlichen Bewohner des Schwabenlandes bei weitem nicht als erste Vorfahren der späteren Deutschen an­zusehen.

Weil es den Römern nicht gelang, die Germanen zu unterwerfen, wurde der größere Teil des späteren Deutschland nicht romanisiert. Und noch etwas gehört zum Erbe jener Epoche, die bis zur Völkerwanderung andauerte: das spätere Deutschland blieb ein Land der Stämme, der Alemannen, Franken, Bajuwaren, Hessen, Friesen, Sachsen und anderer, die immer wieder auf ihre Eigenständigkeit pochten – und das gelegentlich auch heute noch.

Film von Sebastian Scherrer, Gero von Boehm, ZDF/2014

19.15 Uhr Deutschland-Saga - Was uns eint

Jene bewegenden Szenen, die um die Welt gingen, von Wende, Mauerfall und Einigung, sind inzwischen ein Vierteljahrhundert alt. Noch immer zeugen eindrucksvolle Filmaufnahmen, Bilder und ein Musik-Hit davon, wie der „Wind des Wandels“ um sich griff und die Menschen mit sich nahm. Was sich damals ereignete, zählt ohne Übertreibung zu den historischen Glücksfällen der deutschen Geschichte: Zum ersten Mal wurde die deutsche Einheit in Freiheit und in Frieden Wirklichkeit, eine Premiere. Doch auch schon lange davor bemühten sich Menschen immer wieder um die Einheit im Herzen Europas.

Christopher Clark reist in seinem VW Käfer nach Aachen, dem Lieblingsort Karls des Großen. Der mächtige Frankenherr­scher, den bereits Zeitgenossen als „Vater Europas“ bezeichne­ten, war getrieben von der Idee, ein im christlichen Glauben ge­eintes Imperium zu errichten. Schritt für Schritt dehnte er seinen Herrschaftsraum nach Osten aus, verleibte seinem Reich auch die Gebiete der Bayern und der Sachsen ein und führte dafür grausame Kriege. Es gelang ihm erstmals, die germanischen Festlandsstämme unter einem gemeinsamen Dach zu vereinen – ob es ihnen gefiel oder nicht. Karl verlieh dem europäischen Viel­völkergebilde eine politische Struktur und schuf damit auch eine Grundlage für das spätere Reich der Deutschen.

Anders als zum Beispiel Briten und Franzosen gelang es den Deutschen bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht, in einem geeinten Staat zu leben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland von den Siegern geteilt. Nie wieder sollten von deutschem Boden Massenmord und Krieg ausgehen. Erst nach Jahrzehnten kam die Wiedervereini­gung – in der Erkenntnis, dass Deutschland und Europa nur in enger Bindung zueinander bestehen können.

Film von Sebastian Scherrer, Gero von Boehm, ZDF/2014

20.15 Uhr Deutschland-Saga - Wovon wir schwärmen

Warum haben Wälder, Ritterburgen, Märchen, Mythen und Sagen eine so große Bedeutung im Reigen der Befindlichkeiten, die man den Deutschen immer wieder zuschreibt? Warum nehmen Dramen wie das Nibelungenlied einen so hohen Rang in der kulturellen Selbstwahrnehmung ein? In dieser Folge der Deutschland-Saga macht sich Christopher Clark auf die Suche danach, was Deutsche zum Schwärmen bringt.

Auf der Gefühlsskala rangiert der Wald ganz oben. Diese Vorliebe hat eine lange Tradition. Schon der römische Geschichtsschreiber Tacitus beschrieb „Germanien“ als ein Land unendlicher Wälder. Eigenartig wirkte auf die Römer, dass es keine Tempelbauten gab, vielmehr Haine und Bäume, die als Heiligtümer verehrt wurden. Tatsächlich haben sich die Deutschen ihre innige Beziehung zu den Pflanzenriesen bewahrt. Eng verbunden mit dem Wald sind viele deutsche Märchen, wie etwa Hänsel und Gretel oder Rotkäppchen und der Wolf. Sie und andere Figuren entstammen der „Kinder- und Hausmärchen“ der Gebrüder Grimm, die – gleich nach der Lutherbibel – das weltweit meistverbreitete Buch der deutschen Kulturgeschichte sind. Die Welt der Märchen hat das Bild Deutschlands bis heute geprägt.

Film von Sebastian Scherrer und Gero von Böhm, ZDF/2014

21.00 Uhr Deutschland-Saga - Wonach wir suchen

Der australische Historiker und Autor Christopher Clark geht auf Erkundungsreise durch die Bundesrepublik: Warum gilt die Romantik als Wegbegleiter der Deutschen? Warum haben letztlich Dichter und Denker die Nation der Deutschen erfunden? Und was ist dran am Begriff der Kulturnation? Diese Fragen begleiten den Historiker auf seiner Reise in der vierten Folge. Er begegnet darin so manchem großen Geist, auch solchen, die von „außen“ auf die Deutschen blickten, wie Mark Twain und Madame de Staël.

Die französische Schriftstellerin, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts Deutschland bereiste und das Bild vom „Land der Dichter und Denker“ prägte, fiel zunächst das provinzielle Element des deutschen Genies auf. Schrullige Junggesellen waren darunter, die in ungeheizten Dachzimmern einer Kleinstadt die Welt aus den Angeln heben wollten. Carl Spitzweg und Wilhelm Busch haben solch kauzigen Typen aus der deutschen Provinz später ironisch-bissige Bilder und Texte gewidmet.

An Schöpfergeist hat es hierzulande nie gemangelt. Deutschland brachte Komponisten hervor, die zeitlose Klangwelten schufen wie Bach, Beethoven oder Wagner. Forscher und Gelehrte wie die Brüder Humboldt wollten nicht nur die Welt erkunden, sondern den Menschen durch Bildung zu einem besseren Wesen machen. Was hat Philosophen wie Kant, Marx, Nietzsche oder Adorno bewegt bei ihrer Reflexion und Kritik gesellschaftlicher Zustände?

Dass viele Wege nach Weimar führen, weiß auch Christopher Clark. Es ist die Stadt der Dichter-Genies. Den einen, Friedrich Schiller, liebten die Deutschen schon zu Lebzeiten, den anderen, Johann Wolfgang von Goethe, achteten sie als Dichterfürsten. Mit seinem „Faust“ schuf Goethe einen literarischen Helden, der noch immer fasziniert. Am „Faustischen“, das rastlos nach dem Höchsten und Tiefsten im Menschen strebt, haben sich viele Autoren bis hin zu Thomas Mann abgearbeitet. Die Nationalsozialisten bedienten sich bei „Faust“ ebenso wie die marxistischen Vordenker der DDR.

Film von Sebastian Scherrer und Gero von Böhm, ZDF/2014

22.15 Uhr Deutschland-Saga - Was uns antreibt

Christopher Clark stellt in der fünften Folge fest: Die Nachfolger Leonardo da Vincis müssen sich eindeutig weiter nördlich von dessen Heimat angesiedelt haben. Zumindest diejenigen, die dem Universalgelehrten der Renaissance auf dem Feld der technischen Erfindungen nacheiferten. Schon der florentinische Alleskönner trug den Titel „Ingenarius“, und es sind vor allem Leistungen dieses Standes, die heute noch den Wirtschaftsstandort Deutschland prägen. Bei den Patenten teilen sich deutsche Wissenschaftler gegenwärtig die ersten Plätze mit den USA und Japan. Hat das etwas mit Disziplin, Gründlichkeit und Präzision zu tun?

Bei einem Streifzug durch die Geschichte der Entdeckungen und Erfindungen führt Clark vor Augen, was die Welt deutschen „Superhirnen“ zu verdanken hat: ob Fahrrad, Auto, Dynamo oder Flugzeug. Mancher Pionier endete jedoch tragisch, wie Otto Lilienthal, der seinen Traum vom Fliegen mit dem Leben bezahlte.

Karossen „Made in Ger­many“ haben den Weltmarkt erobert. Neben dem Volkswagen auch BMW, Audi und Daimler. Doch wo liegen die Anfänge? Christopher Clark wandelt auch auf den Spuren der Mobilität, die nicht erst mit Carl Friedrich Benz, dem Erfinder des modernen Automobils oder Ottos gleichnamigen Motor begann. 1813 baute Karl Drais seine erste vierrädrige Fahrmaschine, angetrieben mit den Füßen. In Erinnerung aber blieb der badische Forstmeister und passionierte Erfinder durch die von ihm entwickelte Laufmaschine, die als Draisine Berühmt­heit erlangte.

Auch bei den großen Entwicklungen in der Kommunikationstech­nik, bei Telefon, Radio, Fernseher, Computer, standen Deutsche Paten. Physiker und Chemiker machten bahnbrechende Erfindun­gen – etwa bei der Quantenphysik oder der Kernspaltung – und waren deshalb lange führend bei der Zahl der Nobelpreise. Der Nationalsozialismus war auch hier eine Zäsur – brillante Forscher wie Albert Einstein, James Franck und Max Born wurden ins Exil getrieben.

Film von Sebastian Scherrer und Gero von Böhm, ZDF/2015

23.30 Uhr Deutschland-Saga - Wer wir sind

Bei der Frage nach den Selbst- und Fremdbildern trifft Christopher Clark auf viele amüsante, sehr unterschiedliche, manchmal widersprüchliche Befunde, aber auch auf Stereotype mit historischen Wurzeln. Zum Beispiel die vielzitierte „German Angst“, im Ausland häufig belächelt als Melancholie und Schwarzseherei der Deutschen. Dabei sehen Historiker und Psychologen ihre wahren Gründe in den vielen kriegerischen Auseinandersetzungen, die die deutsche Geschichte prägen – begin­nend mit dem Dreißigjährigen Krieg bis hin zu den beiden großen Weltenbränden des 20. Jahrhunderts.  Sind es die „deutschen Tugenden“ wie Pünktlichkeit, Ordnung und Fleiß oder eher Eigenheiten wie das Abendbrot oder die Kehrwoche, die das Image der Deutschen prägen?

Warum wähl­ten laut einer Umfrage der BBC im Jahr 2013 Menschen aus 25 verschiedenen Nationen Deutschland zum „beliebtesten Land der Welt“? Und wie erklärt es sich, dass nichtsdestotrotz Deutsche von Karikaturisten im Ausland immer wieder gerne als wütende Aggressoren mit Hitler-Bärtchen oder als vollbusige Germania mit Pickelhaube dargestellt werden?

Auch andere „typisch deutsche“ Eigenschaften, wie die vielzitierte Sparsamkeit soll eine Folge von Krisenzeiten sein: „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“, heißt es in einem bekannten Sprichwort.

Während die Landsleute im Ausland für eine stabile Wirtschaft und ein funktionierendes Steuer- und Sozialsystem bestaunt wer­den, löst ihr Eifer in Umweltdingen selbst bei Deutschlandfans wie Christopher Clark Rätselraten aus. Vor allem die Mülltrennung ist für Betrachter von außen ein Buch mit sieben Siegeln.

Clark begibt sich auch ins Reich der deutschen Schrebergärten, die „kleine, umzäunte Freiheit der Deutschen“, wie er sie nennt. Auch hier habe „alles seine Ordnung – eben eine Garten-Ordnung: Rasen statt Wiese. Unkraut, schrecklich!“ Ein Wort übrigens, das es in anderen Sprachen so nicht gibt.

Die Deutschen „entschlüpfen der Definition“, stellte einst der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche fest. Doch spätestens seit die Welt bei der Fußball-WM 2006 „zu Gast bei Freunden“ war, hat sich das internationale Rätseln um die „unberechenbaren Deutschen“ merklich entspannt. Die Menschen hierzulande prä­sentierten sich – so manchem Vorurteil trotzend – als überaus gastfreundlich, feierlaunig und offen.

Film von Sebastian Scherrer und Gero von Böhm, ZDF/2015


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