Dokumentation

Mittwoch, 03. Januar 2018, 22.15 Uhr

Thema: Risiko Atomenergie

22.15 Uhr Strahlendes Erbe, teuer bezahlt - Wie Atomkonzerne den Staat schröpfen

Baustelle mit Strahlung: Das AKW Greifswald wird zurückgebaut   Baustelle mit Strahlung: Das AKW Greifswald wird zurückgebaut

Es geht um mindestens 169 Milliarden Euro: Im Dezember 2016 hat der Bundestag entschieden, wer die Kosten des Atomzeitalters in Deutschland trägt, für den Rückbau der 27 deutschen Atomstandorte und für die Endlagerung des Atommülls. Eigentlich müssten diese Kosten ausschließlich die Konzerne übernehmen, so gibt es das Atomgesetz klar vor. Doch Bundesregierung und Bundestag befürchten, dass die wirtschaftlich angeschlagenen Energiekonzerne Pleite gehen könnten – und der Staat dann auf den kompletten Kosten des Atomzeitalters sitzenbleiben würde.

Um das zu verhindern, werden die Konzerne nun entlastet. Und ein großer Teil des Kostenrisikos wird von vorneherein auf den Steuerzahler übertragen. Diese Entscheidung ist nicht nur ein glasklarer Deal mit der Atomlobby, sondern auch eine Abkehr vom bisher geltenden Verursacherprinzip.

Kurz nach der Verabschiedung dieses Jahrhundert-Gesetzes im Parlament deckt „die story“ die Hintergründe des Atomdeals auf und belegt: Die Kosten für Rückbau und Entsorgung sind viel höher als bekannt und die nun gesetzlich festgelegten Rücklagen der Konzerne reichen bei weitem nicht aus.

Die Recherchen zeigen zudem die Vorgeschichte dieses fragwürdigen Deals: eine brisante Verflechtung zwischen Atomindustrie und Politik, die den Energiekonzernen zu Milliardensubventionen verhalf. Diese flossen seit Anfang des Atomzeitalters in Deutschland, zum Wohle der Konzerne und zum Schaden des Steuerzahlers. Immer wieder traf die Bundesregierung dabei industriefreundliche Entscheidungen, die am Ende nur den Schluss zulassen, dass sich der Staat von den Atomkonzernen regelrecht ausnehmen ließ.

Autor Jan Schmitt hat sich intensiv mit dem Zahlenwerk, mit den Profiten und den Kosten  des Atomzeitalters in Deutschland beschäftigt. Ein Zeitalter, das gerade mal Strom für eine einzige Generation lieferte, das aber Unmengen hochradioaktiven Atommülls hinterlässt. Der Film führt an Orte, an dem die Altlasten der Atomenergie besonders gut sichtbar werden: zu den abgeschalteten Atomkraftwerken nach Biblis und Greifswald sowie 750 Meter unter die Erde, ins marode ehemalige Endlager Asse. Jan Schmitt war dabei, als die Konzerne Anfang 2016 vor das Verfassungsgericht zogen, um den Staat auf Schadenersatz für den Atomausstieg zu verklagen, obwohl sie jahrzehntelang Milliarden mit der Atomwirtschaft verdient haben.

Film von Jan Schmitt, WDR/2017

23.00 Uhr Die Atommüll-Lüge

Spätestens 2022 geht das letzte deutsche Atomkraftwerk vom Netz. Bis dahin wird weiter hoch radioaktiver Atommüll entstehen. In der Dokumentation entlarven Thomas Hies und Trienke Klein das Märchen vom „sicheren“ Endlager und fragen, welche alternativen Konzepte es zur Lagerung von Atommüll gibt.

Für den strahlenden Müll soll ein unterirdisches Endlager errichtet werden: sicher für eine Million Jahre, gewappnet gegen Naturkatastrophen, Klimawandel, Terroranschläge und zerfallende Castor-Behälter. Der Ort muss sämtliche schleichenden Umweltveränderungen überstehen und selbst dann noch sicher sein, wenn alle Atommüllbehälter sich in ihre Bestandteile zersetzt haben. Das Endlager sollte zugänglich sein, um im schlimmsten Fall marode Fässer zu bergen. Und die Zustimmung der Bevölkerung sollte die Standortentscheidung auch haben. Ist dieses „perfekte Endlager“ nur ein Hirngespinst? Oder ist das Konzept vom sicheren Lager ein Konstrukt der Politik, um in absehbarer Zeit keine Entscheidung treffen zu müssen? Und was passiert, wenn das Lager voll ist? Wie soll der Müll eine Million Jahre lang kontrolliert werden – mit Messgeräten, die nach neuestem Stand der Technik gerade einmal maximal 100 Jahre funktionieren?

Film von Thomas Hies, Trieneke Klein, 3sat/2017

23.45 Uhr Das Tschernobyl-Vermächtnis

Am 26. April 1986 ereignete sich die bis heute größte Nuklear-Katastrophe der Geschichte: Die Explosion im ukrainischen AKW Tschernobyl verseuchte riesige Landstriche. Zwei Jahre nach der Katastrophe beging Waleri Legassow, Leiter der Tschernobyl-Untersuchungskommission, Selbstmord und hinterließ Tonbänder - sein Vermächtnis. In ihnen tat er kund, was er öffentlich nicht preisgeben durfte: die für ihn wahren Schuldigen.

„ZDF-History“ zeigt die Katastrophe von Tschernobyl aus Insider-Sicht. Aussagen aus Legassows Vermächtnis werden ergänzt durch Interviews mit Augenzeugen wie Alexey Breuss, der 1986 Ingenieur im Unglücksblock 4 war. Selten oder nie gesehenes Filmmaterial aus ukrainischen Archiven, hochwertige Grafiken und szenische Rekonstruktionen machen die Ereignisse von damals wieder lebendig. Eine spannende Suche nach den wahren Gründen und Folgen der Katastrophe, die lange verschleiert wurden.

Film von Tetyana Detig, Alexander Detig , ZDF / 2016

0.30 Uhr Die Wölfe von Tschernobyl - Wildnis in der Todeszone

Mehr als 30 Jahre nach dem Super-GAU sind die 3.000 Quadratkilometer rund um Tschernobyl immer noch verbotene Zone, allerdings nur für Menschen. Am Schauplatz des größten Reaktorunfalls der Geschichte ist in den letzten Jahrzehnten ein unbeabsichtigtes ökologisches Experiment abgelaufen. Riesige Rudel von Wölfen haben die Region erobert und streifen durch die Schwemmgebiete des Prypjat und durch die verlassenen Siedlungen. Was einst die Kornkammer der Sowjetunion war, ist nun von riesigen Wäldern bedeckt, und mit der neuen Vegetation sind Bisons, Luchse und Wölfe zurückgekehrt. Für diese Dokumentation konnte erstmals ein westliches Filmteam in die verbotene Zone vordringen und dieser spektakulären Wiederkehr der Natur nachforschen.

Regisseur Klaus Feichtenberger zeigt eine faszinierende, paradoxe Welt, die beides zugleich ist: ein Blick in die Zeit lange vor der menschlichen Zivilisation und ein Fenster in die Zukunft nach der ultimativen nuklearen Katastrophe.

Mehr als 30 Jahre nach dem Super-GAU in Tschernobyl am 26. April 1986 regieren Wölfe das radioaktiv verseuchte Niemandsland, die Sperrzone um Tschernobyl im Dreiländereck zwischen Ukraine, Russland und Weißrussland. Es gibt abenteuerliche Gerüchte über diese Tiere, Fakten aber sind immer noch rar. Die Wolf-Experten Christoph und Barbara Promberger besuchten das Gebiet 2009, um sich ein Bild zu machen - und staunten über die große Anzahl an Wölfen, die dort offenbar ideale Lebensbedingungen vorfinden. Ebenso erstaunt waren sie darüber, dass bislang niemand die vielen Fragen gestellt hat, die ihnen sofort in den Sinn kamen: Wie viele Wölfe gibt es in dem Gebiet? Wie kommen die Tiere mit der Radioaktivität zurecht? Sind es Zuwanderer, die früher oder später dort sterben, oder gibt es mittlerweile eine bodenständige Population? Wenn ja: Ist sie gesund und stabil? Wandern die Wölfe aus Tschernobyl in andere Gebiete aus?

Film von Klaus Feichtenberger, NDR/2011


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