Dokumentation

Dienstag, 02. Januar 2018, 22.15 Uhr

Thema: Die Macht der Pharmakonzerne

22.15 Uhr Das große Geschäft mit dem Schnupfen - Helfen Medikamente wirklich?

Im Forschungslabor der Uniklinik Heidelberg wird das Blut der Reporterin vor und nach der Orthomol-Kur auf Nährstoffversorgung und Immunstatus untersucht.; Bild: PHOENIX/SWR' (S2+)   Im Forschungslabor der Uniklinik Heidelberg wird das Blut der Reporterin vor und nach der Orthomol-Kur auf Nährstoffversorgung und Immunstatus untersucht.

Bei Erkältung greifen viele sofort nach Medikamenten. Wie gut ist die Beratung in Praxen und Apotheken? Wie werden Präparate überprüft: Ist alles, was zugelassen ist, automatisch wirksam? Welche Alternativen gibt es?

Allein von den zehn meistverkauften Erkältungsmedikamenten gehen jedes Jahr über 50 Millionen Packungen über den Tresen. Ein gigantisches Geschäft. Aber wirken diese Mittel überhaupt? Das untersucht die Dokumentation.

Der Umsatz mit Erkältungspräparaten ist hoch. Über sechs Milliarden Euro geben die Deutschen pro Jahr für rezeptfreie Medikamente aus - Tendenz steigend. Ein Viertel dieses Umsatzes entfällt auf Präparate gegen Erkältungskrankheiten, gefolgt von Schmerzmitteln, die ebenfalls oft von Schnupfenpatienten genutzt werden. Aber halten die nicht verschreibungspflichtigen Medikamente tatsächlich, was Werbung, Arzt und Apotheker versprechen? Der Film geht auf Spurensuche, sucht unabhängige Experten aus dem Bereich der Medizin und der Forschung auf, konfrontiert die Pharmaindustrie mit Kritik an den Medikamenten und untersucht, welche Rolle der viel beschworene Placebo-Effekt, also der bloße Glaube an die Wirkung von Arzneien, beim Gesundwerden spielt.

Film von Katarina Schickling, SWR/2016

23.00 Uhr Gefährliche Medikamente - Gepanscht, gestreckt, gefälscht

Die „45 Min“-Dokumentation zeigt anhand von Beispielen geschädigter Patienten, wie es um die Medikamentensicherheit in Deutschland bestellt ist. Gestützt auf vertrauliche Dokumente, Aussagen von Whistleblowern, Ermittlern und Experten, entsteht das Bild einer Branche, in der einzelne Unternehmen Todesopfer in Kauf nehmen, um die Rendite zu steigern.

Petra H. leidet an Nierenkrebs. Seit Jahren nimmt sie ein teures Medikament. Es hemmt das Tumorwachstum. Plötzlich verschlechtert sich Frau H.s Zustand dramatisch. Ihr Arzt stellt fest: Sie muss an eine unwirksame Fälschung ihres Krebs-Medikaments geraten sein, gekauft in einer deutschen Apotheke. „Ein absoluter Ausnahmefall“, sagt die Pharmabranche. „Ein wachsendes Systemproblem“, sagen Insider und Kritiker. Denn mit Medikamenten-Fälschungen lassen sich Millionen verdienen, mehr als mit illegalem Drogenhandel. Die Dokumentation zeigt den Weg der Medikamente von der Herstellung zum Patienten, wie gepanscht und gefälscht wird.

Film von Daniel Harrich, NDR/2017

23.45 Uhr Der vertuschte Skandal - Ein Pharmakonzern und sein Hormonpräparat

Ein Fall, vergleichbar mit dem Contergan-Skandal: Viele Kinder, darunter Andre Sommer, kommen in den 60er und 70er Jahren mit Missbildungen auf die Welt: Hirnschäden, Herzfehler, verkümmerte Gliedmaßen. Ihre Mütter haben das Mittel Duogynon von der Firma Schering verschrieben bekommen. Seit Andre Sommer weiß, dass auch seine Mutter dazugehört, lässt er nicht mehr locker. 2010 geht er vor Gericht. Doch Bayer, als Schering-Nachfolger, verweist darauf, dass die Sache verjährt sei. In Großbritannien jedoch sind die Verjährungsfristen anders, und auch dort wurde das Mittel verschrieben. Andre Sommer fährt nach England.

Für Andre Sommer ist es ein Kampf um Gerechtigkeit. Er will erreichen, dass ein Pharmakonzern endlich zu seiner Schuld und Verantwortung steht. Und er will Gewissheit haben: die Gewissheit, dass nicht eine Laune der Natur für seine Missbildungen - und die Tausender anderer - verantwortlich ist, sondern ein Pharmakonzern, der fahrlässig gehandelt hat.

Andre Sommer kommt 1976 auf die Welt. Seine Blase befindet sich außerhalb seines Körpers. Er muss mehrere schwere Operationen über sich ergehen lassen, hat einen künstlichen Blasenausgang.

Viele Kinder kommen in den 60er- und 70er-Jahren mit Missbildungen auf die Welt. Sie haben alle eines gemeinsam: Ihre Mütter haben das Mittel Duogynon als Schwangerschaftstest bekommen. Eigentlich ist Duogynon von der Firma Schering ein Hormonpräparat, das bei Menstruationsbeschwerden eingesetzt wird. Frauenärzte verabreichen es gern als Schwangerschaftstest. Lösen die eingenommenen Hormone keine Blutungen aus, weiß die Frau, dass sie schwanger ist. Was die zugeführten Hormone bei den Kindern im Bauch der Mutter anrichten - daran denkt niemand. Unterm Ladentisch wird Duogynon als Mittel zum Schwangerschaftsabbruch gehandelt.

Seitdem Andre Sommer weiß, dass auch seine Mutter das Mittel eingenommen hat, lässt er nicht mehr locker. Er gründet eine Selbsthilfegruppe, baut eine Internetseite, stellt sie ins Netz. Er bekommt Tausende von Zuschriften von besorgten Müttern, und von Menschen mit Missbildungen. 2010 geht er vor Gericht. Er will Bayer auf Akteneinsicht verklagen und eine Stiftung für die Duogynon-Opfer einrichten lassen. Die Bayer AG hat die Firma Schering aufgekauft und ist jetzt der Rechtsnachfolger.

Doch Andre Sommer kommt zu spät. Bayer will keine Akteneinsicht gewähren und schon gar nicht zahlen. Der Pharmakonzern verweist darauf, dass die Sache längst verjährt ist. Tatsächlich gibt es in Deutschland eine Verjährungsfrist von 30 Jahren für solche Fälle. Und obwohl Andre Sommer Hinweise hat, dass die Firma Schering wusste, welche Gefahr von Duogynon ausgeht, obwohl er nachweisen kann, dass Wissenschaftler bezahlt wurden, um gefällige Studien zu schreiben, lehnt das Gericht eine Beweisaufnahme ab. Andre Sommer ist verzweifelt und gibt auf. Doch plötzlich tauchen Dokumente auf aus dem internen Schriftverkehr der Firma Schering. Sie belegen, dass Schering damals gewusst hat, welche Gefahr von Duogynon ausgeht und dass Schering alles getan hat, um das zu vertuschen.

Andre Sommer nimmt den Kampf wieder auf. Er erfährt, dass es in Großbritannien einen Untersuchungsausschuss zu Primodos (englischer Name für Duogynon) gibt. Und: In England sind die Verjährungsfristen anders - der Rechtsweg steht noch immer offen.

Film von Christian Stücken, BR/2016

0.30 Uhr Die Macht der Pharmaindustrie

Die deutsche Pharmaindustrie sieht sich selbst als Garant für Gesundheit und ein langes Leben. Doch Aufsehen erregt sie seit Jahrzehnten mit Skandalen – und mit unaufhörlich steigenden Arzneimittelausgaben. 2015 sind diese Ausgaben in Deutschland auf über 35 Milliarden Euro gestiegen. Wieder ein neuer Rekord. Zahlen müssen das die Krankenkassen – und damit am Ende die Verbraucher über ihre Beiträge. Die Pharmaindustrie dagegen gehört seit langem zu den profitabelsten Branchen des Landes. Die Dokumentation von Winfried Oelsner zeigt auf, wie die Macht von Bayer und Co. entstanden ist und warum Deutschland bis heute einen Spitzenplatz bei den Medikamentenpreisen belegt.

Film von Winfried Oelsner, WDR/2016


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