Dokumentation

Donnerstag, 21. Dezember 2017, 20.15 Uhr

Die Gesten der Mächtigen - Was die Körpersprache von Trump, Putin und Merkel verrät

; Saul Loeb (Getty Images)

Die Arme in die Höhe gereckt, die Faust geballt oder mit dem Zeigefinger auf das Publikum einstechen – Politiker lieben die großen Gesten. Aus gutem Grund: Wir erinnern uns besser, wie jemand aussieht oder sich verhält, weniger an seine Worte. So funktioniert eben unser Gehirn: Es speichert leichter visuelle als verbale Informationen. Körpersprache ist daher für Politiker ein entscheidender Erfolgsfaktor. Am Beispiel von drei Politikern – Trump, Putin und Merkel – zeigt ein Team von Experten für Körpersprache und mediale Wirkung, welche Signale die Politiker mit ihrem Verhalten aussenden wollen. Die phoenix-Dokumentation von Caroline Habel zeigt, mit welchen Tricks die Mächtigen arbeiten und legt dar, was nur inszeniert ist, und wann Mimik und Gestik verraten, was sie wirklich denken.

Die Alpha-Signale von Donald Trump

Mediale Analysen der Körpersprache des US-Präsidenten fallen selten schmeichelhaft aus. Man macht sich lustig über die Akkordeon-Bewegungen des über 70-Jährigen, seine übertriebenen Gesten. Aber Trump ist ein Show-Profi. Besonders gern formt er einen Kreis mit Daumen und Zeigefinger und bewegt die Hand dann auf und ab. Stefan Verra ist einer der Europa gefragtesten Körpersprache-Experten. Für ihn ist Trumps große Gestik mit ein Grund für den Erfolg des US-Präsidenten: „Die Menschen haben hier ein Alpha-Tier gewählt, keine Partei. Und Trump will signalisieren: ‚Ich bin sicher und stark, ich kann euch beschützen.‘“ Trump hat bei seinen Wahlkampfreden genauso auf den Tisch gehauen, wie es Stammtischredner im Wirtshaus machen. Er will zeigen: „Ich bin einer von Euch.“ Laut Umfragen war der Milliardär damit glaubwürdiger als seine Kontrahentin - obwohl er häufig gelogen hatte. Stefan Verra: „An Hillary Clinton war bei öffentlichen Auftritten von der Frisur bis zum Lächeln alles perfekt auf die Kamera abgestimmt. Aber den Wählern war das nicht authentisch genug. Wer zu wenig Gesten und Emotionen zeigt, kommt nicht gut an.“

Dass Trumps dominantes und polterndes Auftreten aber auch irritierend für sein Gegenüber ist, zeigen seine berüchtigten Handschläge. Er zerrt den anderen ruckartig zu sich, dem japanischen Präsidenten Shinzo Abe hält er 18 Sekunden vor Fotografen tätschelnd die Hand fest, bis der Premier sich erleichtert befreien kann. Für Monika Matschnig, Diplom-Psychologin, ein Fauxpas: „Er spürt nicht, wie er andere irritiert.“ Narzissmus, mangelndes Interesse, Selbstbezogenheit, fehlende Empathie – all das liest Matschnig aus Trumps Handschlag. Andere Politiker haben daraus gelernt. Macron und Trudeaux spielen nicht nach Trumps Regeln und schütteln genauso kräftig zurück. Monika Matschnig und Stefan Verra coachen seit Jahren Bosse aus Wirtschaft und Politik. Sie analysieren typische Auftritte der Politgrößen. Was bedeutet die Baseballspieler-Geste, der gehobene Kirchturm, das Feigenblatt? Welche Gesten sind besonders beliebt und warum? Wann lügen sie? Denn: Schaut man sich Trumps Rede über die Ausschreitungen Rechtsextremer in Charlottesville genauer an, finden sich starke Kontraste zwischen Aussagen und Körpersprache.

Wladimir Putin – Inszenierung als volksnaher Stratege

Der russische Präsident zeigt sich gern mit nacktem Oberkörper in männlich-markanter Pose. Die Botschaft: Hier ist ein ganzer Kerl, unser starker Mann an der Spitze. Im Westen wirkt Putin vielleicht kalt und emotionslos. In Russland symbolisiert er damit Führungskraft. Putin hat sich 1991 vom Australier Allan Pease coachen lassen. Er gewöhnt sich die aggressiven Gesten der Sowjet-Ära ab, das wilde Herumfuchteln. Man rät ihm, die Hände wie ein Dach zu formen. Das signalisiert Selbstsicherheit und Konzentration. Er schaut oft in die Kamera, gibt den Bürgern das Gefühl, direkt mit ihnen zu sprechen. Er inszeniert seine Macht. Angela Merkel bekommt das zu spüren, als sie ihn 2007 in seiner Sommerresidenz besucht. Beim Treffen ist seine Labradorhündin Koni dabei. Merkel hat Angst vor Hunden, das weiß Putin wohl genau. Es scheint das Machtspielchen zu genießen. Spannende Einblicke geben die Analysen seiner Auftritte: Beim großen Auftritt zur Rede vor der Nation hat er die Augen gesenkt, hält nicht an, um sich zu präsentieren, mit Papieren schützt er den Körper. Die Experten meinen dazu: Putin ist ein Mensch, der unsicher ist, zaudert, ungern Entscheidungen trifft. Das Gegenteil seines sorgsam gepflegten Images.

Angela Merkel – die Meisterin des Minimalismus

Woran denkt man bei „Körpersprache“ und Angela Merkel? Natürlich an die „Raute“. Entwickelt für die Kanzlerin, damit der Körper mehr Spannung erhält. Vorher sackte alles an ihr zusammen, meinten die Berater. Angela Merkel hat in den letzten Jahren - im Bereich Außenwirkung - sehr viel dazugelernt. Im Gegensatz zu Trump ist alles an ihr sparsam dosiert, unauffällig. Sie hat sogar ein spezielles Mimiktraining und Tricks absolviert, die sie sanfter und sicherer zugleich wirken lassen sollen. Das half ihr auch beim letzten Kanzler-Duell. „Merkels Blickrichtung ging oft nach oben, Martin Schulz schaute viel nach unten. Damit signalisiert er, dass er nicht das Alphatier ist und ihm der Überblick fehlt", analysiert Stefan Verra.

Aber auch Polit-Profi Merkel besitzt kein Pokerface. Bei Aufnahmen von Pressekonferenzen – z. B. dem CSU Parteitag mit Horst Seehofer - erkennen die Experten, wann die Kanzlerin wütend oder schlicht genervt ist. An ihrem Beispiel wird deutlich: Körpersprache kann man trainieren. Aber man kann nicht immer täuschen.


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