Dokumentation Das dunkle Erbe antisemitischer Fake News

Samstag, 16. Dezember 2017, 21.45 Uhr

Die Akte Oppenheimer

Nach dem Tod des Herzogs Karl Alexander von Württemberg wurde dessen wirtschaftspolitischer Berater Joseph Süßkind Oppenheimer (ca.1698-1738) als Sündenbock einer politisch motivierten, judenfeindlichen Hetzkampagne hingerichtet. Der Dokumentarfilm „Die Akte Oppenheimer“ von Ina Knobloch erzählt das Schicksal des jüdischen Kaufmanns und zeigt dabei auch das erschreckend lange Nachwirken dieser fast 280 Jahre alten antisemitischen Kampagne bis in unsere Zeit.

Die historische Spurensuche der Regisseurin, gefördert mit Mitteln der hessischen Filmförderung, führt an zahlreiche Originalschauplätze, die für das Leben und den tragischen Justizmord an Oppenheimer entscheidend waren. Dabei wird die wahre Person des Joseph Süßkind Oppenheimer hinter dem späteren propagandistischen Zerrbild des Films „Jud Süß“ rekonstruiert. Fundstücke aus Archiven geben einen neuen Blick auf Oppenheimers Persönlichkeit und seinen Beitrag zur wirtschaftspolitischen Modernisierung Württembergs frei und enthüllen die manipulativen Strategien und Tricks, mit denen antisemitische Fake-News-Kampagnen arbeiten - damals wie heute. So zeigen die Gerichtsakten von 1737/38 mit welcher massiven Folter politische Gegner des Herzogs versuchten, Oppenheimer – gegen den keinerlei Beweise vorlagen – zu einem falschen Geständnis zu zwingen. Während seines Hungerstreiks hielt man ihn notdürftig am Leben, um ihn öffentlich hinzurichten. Da hatten seine politischen Gegner bereits antisemitische Bildblätter in Auftrag gegeben: antijüdische „Hetz-Comics“ aus einer Zeit, die gemeinhin als Ära der deutschen Aufklärung gilt.

Das dunkle Erbe der antisemitischen Propaganda gegen Oppenheimer gipfelte 1940 im berüchtigten Nazi-Propaganda-Film „Jud Süß“ von Veit Harlan. Akribisch deckt die Autorin Knobloch die von Joseph Goebbels angeordneten subversiven antisemitischen Geschichtsfälschungen zu Oppenheimer auf, die das Ziel hatten, die Bevölkerung für die Vernichtungsmaschinerie des Holocaust hinter sich zu bringen. Der heutige UFA-Geschäftsführer Nico Hofmann spricht im Interview offen über dieses dunkle Kapitel in der Geschichte des traditionsreichen Filmstudios. Regisseurin Ina Knobloch macht darüber hinaus die langfristige Nachwirkung von solchen antijüdischen Stereotypen und rassistischen Vorurteilen deutlich. So berichtet die junge deutsche Schriftstellerin Mirna Funk, wie sie noch heute wegen ihrer jüdischen Vorfahren antisemitischer Hetze ausgesetzt ist.

Ein Film von Ina Knobloch, phoenix 2017


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