Dokumentation

Donnerstag, 14. Dezember 2017, 20.15 Uhr

Der Wohlstandsreport / Der Rentenreport

20.15/0.45 Uhr Der Wohlstandsreport

Klaus Dieter Meuer wartet an einer Bushaltestelle.; Bild: PHOENIX/HR' (S2)   Klaus Dieter Meuer wartet an einer Bushaltestelle.

„Noch nie war die Armutsquote so hoch!“ – „Die Reichen werden immer reicher!“ – „Die Ungleichheit nimmt zu!“ Das sind die Schlagzeilen im Wirtschaftswunderland Deutschland, heraufbeschworen von Sozialverbänden, willfährig genutzt von politischen Parteien. Für den „Wohlstandsreport“ fragt die Autorin Ulrike Bremer genau nach: Wie steht es wirklich um den alten und neuen Slogan der Politik: „Wohlstand für alle!“? Gibt es in einem der reichsten Länder der Welt wirklich Armut? Und was bedeutet „Armut“ heutzutage in Deutschland?

Finanzplatz Frankfurt am Main: Die Stadt schafft für die stetig zuziehenden wohlhabenden Bürger adäquaten Wohnraum: urban, zentrumsnah und teuer. Den Wohnungsbau für Geringverdiener hat sie aber über Jahrzehnte vernachlässigt. Es entstehen klar abgegrenzte Stadtteile, deren Bewohner keinen Kontakt miteinander haben. Georg Cremer, bis Juni 2017 Generalsekretär der Caritas, sieht Armut zu stark skandalisiert. Im „Wohlstandsreport“ erklärt er die Armutsstatistik und ihre Untiefen: „Viele Menschen glauben, sie gehörten der letzten Generation an, der es besser geht als ihren Eltern. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen in Deutschland geben aber überhaupt keinen Grund zu der Annahme, dass es der Generation nach uns schlechter gehen wird.“

Und die Mittelschicht? Auch sie muss kämpfen, um in der Stadt gut leben zu können. Auch sie gibt fast die Hälfte des Nettoeinkommens für Miete aus, es bleibt wenig zum Sparen und Vorsorgen. Der „Wohlstandsreport“ fragt: Ist die Politik ungerecht? Ja, meint Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin): Die Ungleichheit verfestige sich durch proportional höhere Steuerbelastungen der unteren 40 Prozent.

Ob die Politik ungerecht sei, beantwortet ein Millionär mit „Ja!“. Er versteht nicht, warum es in Deutschland keine Vermögenssteuer mehr gibt, warum die Erbschaftssteuer Unternehmen so viele Freibeträge lässt: „Die Reichen werden von der Politik unterstützt, um noch reicher zu werden, und wenn es so weitergeht, wird der Einfluss von ein paar wenigen reichen Familien in Deutschland in Zukunft politikentscheidend sein!“

Der Film schaut sich auch alternative Lösungsvorschläge an, z. B. das bedingungslose Grundeinkommen. Ein kleiner Berliner Verein probiert es aus – mit Erfolg: 100 Menschen beziehen bereits für ein Jahr ein monatliches Grundeinkommen von 1.000 Euro. Das Geld wird durch Kleinstspenden von Normalverdienern bereitgestellt, welche die Idee unterstützen wollen. „Wohlstand für alle“ gibt es offenbar nicht. Geringverdiener sind abgehängt, ihre Chancen zu Wohlstand zu kommen gleich null. Sie, und auch die Mittelschicht, empfinden ein Gefühl von Ungerechtigkeit. Dieses Gefühl droht den politischen Frieden in Deutschland weiter zu gefährden. Ist es faktisch gerechtfertigt? Der „Wohlstandsreport“ untersucht die gefühlte Wirklichkeit auf ihren Wahrheitsgehalt.

Film von Ulrike Bremer, HR/2017

21.00/1.30 Uhr Der Rentenreport

In keinem anderen Land in Europa sei das Armutsrisiko im Alter so hoch wie in Deutschland, ist immer wieder in den Schlagzeilen zu lesen. „Jeder Zweite ist von Altersarmut bedroht“, warnt Ver.di. Experten des Instituts der Deutschen Wirtschaft argumentieren anders: Auch in Zukunft werde Armut Rentner viel weniger treffen als andere Altersgruppen. Welche Aussage stimmt? Tatsächlich haben knapp 80 Prozent der Deutschen Angst vor Altersarmut. Sind die Existenzängste begründet? Ist das Rentensystem unsolidarisch? Die Filmautorin Christine Rütten geht den Fragen auf den Grund und kommt zu erschreckenden Ergebnissen.

Das Armutsrisiko für Rentner steigt tatsächlich. In Offenbach bei Frankfurt ist es derzeit am größten. So sind bereits heute über die Hälfte der Menschen, die bei der Offenbacher Tafel jeden Dienstag für Lebensmittel anstehen, Rentner - wie Klaus Dieter Meuer. Seine Rente reicht nicht einmal für das Existenzminimum. Wie viele wird dieses Schicksal in Zukunft treffen? Wer muss sich tatsächlich Sorgen machen? Ein Viertel aller Beschäftigten in Deutschland sind Geringverdiener.

ARD-Datenjournalisten haben ermittelt: Bei über 100 Berufen bringt das Einkommen selbst nach 45 Jahren Vollzeitarbeit keine Rente, die über der Armutsgefährdungsquote liegt. Das muss nicht zwangsläufig Altersarmut bedeuten. Vermögen, Immobilien oder anders privat vorzusorgen, das hilft natürlich. Aber wem? Den meisten Menschen im Niedriglohnsektor jedenfalls nicht. Und die geförderte Riester-Rente hat ohnehin einen schlechten Ruf. „Nicht ganz zu Unrecht“, wie der Rentenexperte Bert Rürup sagt: „Sie war besser gedacht als gemacht.“ Finanzmathematiker Werner Siepe rät dazu, lieber freiwillig mehr in die gesetzliche Rente einzuzahlen: „Die verspricht zur Zeit jedenfalls mehr Rendite als die meisten privaten Vorsorgealternativen!“

Immer mehr einzahlen für immer weniger Rente? Viele Junge haben den Glauben an das deutsche Rentensystem längst verloren - Marco Rust etwa, der im thüringischen Suhl als Erzieher in einem Kindergarten arbeitet: „Mir ist klar, dass ich mich auf meine gesetzliche Rente nicht verlassen kann.“ Für seinen Ruhestand muss er nicht nur einen größeren Teil seines Einkommens zurücklegen als die ältere Generation, er muss auch länger arbeiten. Von der Angleichung der Ostrenten profitieren nur die Älteren. Die immer noch niedrigeren Ostlöhne bringen den Jungen jetzt sogar weniger Rente. Tragen die Jungen die Hauptlast des demografischen Wandels? Oder sind es die Familien, also gerade die, die dem Demografie-Problem entgegenwirken?

Datenexperten haben nachgerechnet: Wer ist tatsächlich benachteiligt? Fest steht: In Österreich gibt es höhere Renten. In Schweden klappt es mit der zusätzlichen Vorsorge besser. Eine Deutschlandrente nach skandinavischem Vorbild - wäre das die Lösung? Der „Rentenreport“ checkt die Fakten.

Film von Christine Rütten, HR/2017


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