Dokumentation

Mittwoch, 29. November 2017, 21.00 Uhr

Island – Das Tor zur Anderswelt

Dirk auf Pferd/im Fluss: Island, ein Land wo es jede Menge Flüsse, aber kaum Brücken gibt.; Bild: PHOENIX/ZDF/Oliver Roetz' (S2)   Dirk auf Pferd/im Fluss: Island, ein Land wo es jede Menge Flüsse, aber kaum Brücken gibt.

Island kann manchmal wie ein fremder Planet erscheinen, so bizarr sind seine Landschaften: riesige Gletscher, schäumende Geysire, brodelnde Vulkane, staubtrockene Geröllwüsten und atemberaubende Wasserfälle. Die Insel im Nordatlantik ist ein launenhafter Hexenkessel, denn immer wieder bricht ein Vulkan aus. Zuletzt öffnete der Bardarbunga seinen Höllenschlund – und erinnerte daran, dass Island vor rund 20 Millionen Jahren aus dem Feuer der Erde entstand. Heiß und unberechenbar, so zeigt sich Island bis heute.

Die Ursache für die häufigen Vulkanausbrüche liegt tief im Untergrund: Unter der gesamten Insel brodelt eine gewaltige Ansammlung von Magma, ein sogenannter Plume. Dieser Plume schmilzt die Erdkruste, die sich über ihm befindet, wie ein Bunsenbrenner auf. Das geschmolzene Gestein sucht sich einen Weg nach oben, es sammelt sich in Magmaherden. Ist die Verbindung dieser Magmaherde zum tiefer liegenden Plume unterbrochen, kann kein weiteres Magma nachfließen, und die Wände erkalten. Genau dies ist der Fall bei zahlreichen erloschenen Vulkanen im Westen der Insel, wie dem seit 4000 Jahren inaktiven Thrihnukagigur, in dessen Schlot man sogar hinunterfahren kann. Höchst aktiv dagegen sind alle Vulkane im Osten, wie der Bardarbunga, der seit Ende August 2014 unaufhörlich Lava und Schwefeldioxid ausspeit. Was ihn besonders bedrohlich macht, ist seine Lage: Der Bardarbunga ist kein einzelner Vulkan, sondern gehört zu einem 150 bis 200 Kilometer weit reichenden System. Sein Zentrum liegt unter Europas größtem Gletscher, dem Vatnajökull. Käme es dort zu einem Ausbruch, würde das im Gletschereis gebundene Wasser explosionsartig verdampfen.

An vielen Stellen in Island dampft es aus Felsspalten, Erdlöchern und sogar Wiesen. Für Forscher sind die heißen Quellen hochinteressant, denn in ihnen könnte vor rund 3,5 Milliarden Jahren aus komplexen organischen Verbindungen das erste Leben entstanden sein. Die Isländer wiederum nutzen Geothermie, die Energie aus dem Erdinnern: Dampfkraftwerke erzeugen elektrischen Strom, und als Fernwärme heizt der Dampf die Häuser von Reykjavik.

Um 870 hatte sich eine kleine Gruppe von Wikingern mit ihren Schiffen, ihrem Hab und Gut, Pferden und Schafen aus Norwegen aufgemacht, um ein besseres Leben zu finden. Als die Siedler an Land gingen, glaubten sie sich in der Welt ihrer Götter: So hatten sie sich den Ort vorgestellt, an dem die Welt ihren Anfang nahm. Die bizarren Landschaften der Insel inspirierten sie und ihre Nachkommen zu vielen Geschichten und Legenden. Bis heute erzählen die meisten Isländer von ihrem Land als der Heimat der Trolle und Elfen. Das verborgene Volk, das in seiner Anderswelt lebt, steht unter Schutz. Wo Elfen leben, müssen sogar Straßen einen Umweg nehmen.

Film von Nora Bergenthal, Christine Haak, ZDF/2014


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