Dokumentation

Samstag, 25. November 2017, 22.30 Uhr

Iraqi Odyssey

1959: Ein Jahr nach der Revolution - Familien Picknick in der Nähe von Baghdad.; 'Bild: PHOENIX/WDR/Samir/Dschoint Ventschr Filmproduktion' (S2).   1959: Ein Jahr nach der Revolution - Familien Picknick in der Nähe von Baghdad.

Bomben, wütende Kriegserklärungen bärtiger Männer, verschleierte schluchzende Frauen, kaputte Städte: der Irak von heute. Dagegen stehen Bilder der fünfziger und sechziger Jahre. Filme mit frivoler Musik, westlich gekleidete Frauen, die studieren, elegant gekleidete Männer in Bagdad, einer modernen Stadt. Wie konnte es soweit kommen? In seinem Dokumentarfilm geht Regisseur Samir genau dieser Frage nach. Seine Familie, heute auf fast allen Kontinenten der Welt verstreut, hat die Revolutionen, die Proteste und die fatalen Machtwechsel miterlebt. Der Film erzählt ihre Geschichte und die des Irak. Mit  historischen Fakten ergänzt, entsteht ein umfassendes Bild eines Landes, das mehr ist als seine Konflikte.

Die persönlichen Erinnerungen von Samirs Familie zeichnen die Geschichte des Irak mit seinen Höhen und Tiefen nach. Viele der Familienmitglieder erlebten die Blütezeit der fünfziger, sechziger und siebziger Jahre, wie auch Samirs Tante Samira Jamal Aldin, die als Frau noch studieren durfte. Überall war moderne arabische Musik zu hören. Die Kinos zeigten amerikanische, indische und arabische Filme. Trotz Demonstrationen und Kritik an der kolonialen Tradition des Westens dominierte ein ausgeprägter Glaube an Fortschritt und die Teilhabe an der modernen Welt. Fünfzig Jahre später ist davon nichts mehr geblieben. Heute lebt jeder fünfte Iraker in der Diaspora. Samirs Dokumentarfilm schildert den Traum der Iraker von der Moderne, gesellschaftlichem Fortschritt und dem Wunsch nach Freiheit. Der Regisseur über seinen Film: „Wir gehören zu den vier Millionen Irakern, die nicht mehr in ihrem Land leben. Nur noch ein paar wenige Tanten älteren Semesters und ein paar Cousinen sind im Irak geblieben. Dank ihnen wissen wir heute durch die moderne Informationstechnologie mehr über die Vorgänge im Irak. Manchmal sogar mehr, als wir es uns wünschen.“

Film von Samir, WDR/2017

 

„Iraqi Odyssey“ feierte seine Weltpremiere am Filmfestival Toronto 2015 und Europapremiere an der Berlinale 2015. Der Dokumentarfilm war zu über 30 internationalen Festivals eingeladen; in Abu Dhabi 2014 gewann er den Best Asian Film Award.


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