Dokumentation

Samstag, 14. Oktober 2017, 22.30 Uhr

Black Box BRD

Portrait Alfred Herrhausen.; Bild: HR/Wolfgang Prange' (S2)   Portrait Alfred Herrhausen.

Bis in die neunziger Jahre wird das Land erschüttert von einer Machtprobe zwischen Staat und Rote Armee Fraktion. Black Box BRD rekapituliert die Ereignisse anhand der Biografien von Wolfgang Grams und Alfred Herrhausen. Es berichten sowohl die Eltern von Wolfgang Grams als auch die Witwe von Alfred Herrhausen, Grams politische Weggefährten und Topmanager der Deutschen Bank. Andres Veiels Film aus dem Jahr 2002 blickt auf die jüngste Vergangenheit der Bundesrepublik Deutschland.

Wolfgang Grams ist in den sechziger Jahren aufgewachsen. Wie viele seiner Generation rebelliert er gegen das System, gegen Elternhaus und Konsumterror. Auf der Suche nach Alternativen findet er in Wiesbaden Kontakt zur militanten Linken. Doch während sich fast alle seiner Mitkämpfer bald wieder von der „Revolution“ verabschieden, geht er weiter. 1984 taucht Wolfgang Grams ab.

Alfred Herrhausen 1930 in einfachen Verhältnissen geboren, besucht als Kind eine Eliteschule der NSDAP. Nach dem Krieg macht er eine Bilderbuchkarriere im Land des Wirtschaftswunders. In den achtziger Jahren steht er an der Spitze der Deutschen Bank und zählt damit zu den mächtigsten Männern der Bundesrepublik. Er verknüpft Politik mit Geschäft, ist umstritten und unorthodox. Herrhausen ist maßgeblich beteiligt an der Mega-Fusion von Daimler-Benz mit MBB. Doch Herrhausen tritt auch für die Entschuldung der Dritten Welt ein, kann sich aber in seiner eigenen Bank nicht durchsetzen. Als er das Geldhaus auch noch einer radikalen Reform unterziehen will, meutern die anderen Manager. Es kommt zum Eklat. Herrhausen denkt an Rücktritt.

Zwei Tage später, am 30. November 1989, fällt er einem Attentat zum Opfer. Zur Tatzeit ist Wolfgang Grams seit fünf Jahren im Untergrund. Sein Steckbrief hängt auf jedem Postamt. Das BKA rechnet ihn zur Kommandoebene der dritten RAF-Generation, die in den achtziger Jahren Attentate auf Manager, Industrielle und hohe Beamte verübt. Bis heute jedoch ist keiner dieser Anschläge aufgeklärt. Grams selbst stirbt 1993 bei einem Schusswechsel mit der Polizei in Bad Kleinen durch einen „aufgesetzten“ Schuss in den Hinterkopf. Die offizielle Erklärung: Grams habe Selbstmord begangen. Er stirbt, verraten von einem V-Mann, isoliert von der Gesellschaft.

„BLACK BOX BRD“ stellt Fragen. Antworten geben sowohl die Eltern von Wolfgang Grams und sein Bruder, als auch Traudl Herrhausen, die Witwe von Alfred Herrhausen. Menschen, die sich bis heute verständnislos gegenüberstehen. Aus ihren gegensätzlichen Erinnerungen setzt sich das Bild eines polarisierten Landes zusammen. Der Kampf ist vorbei, aber die Wunden sind offen.

Film von Andres Veiel, HR/2002


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