Dokumentation

Samstag, 19. August 2017, 23.45 Uhr

Das Ende der Guerilla - Kolumbiens langer Weg zum Frieden

Polizeiposten; 'Bild: PHOENIX/SWR' (S2+).   Polizeiposten

Der Friedensvertrag zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC-Guerilla ist nach 52 Jahren bewaffnetem Konflikt unterschrieben worden. Mehr als 6.000 Guerilleros haben ihre Stellungen in den Bergen und im Regenwald verlassen und leben in Übergangslagern. Längst müsste der Staat hier Häuser, Straßen und Toiletten für die Camps bauen, doch es geschieht kaum etwas. Auch die Abgabe der Waffen ist noch nicht geschehen. Bei den FARC-Gruppen „Frente 29“ in Madrigales im Südwesten Kolumbiens herrscht Wut und Misstrauen: „Wir haben unseren Teil des Friedensvertrags eingehalten, doch der Staat tut nichts.“

Richtig wütend sind auch die Koka-Bauern, die im Umkreis der Guerilla-Camps leben. Laut Friedensvertrag sollen sie ihre Pflanzen vernichten - doch niemand sieht einen Anlass dazu. Kaffee- oder Kakaoplantagen bringen nur einen Bruchteil des Profits von Koka. Adolfo Lopez, einer der lokalen Führer, erklärt: „Wir haben keinen Vertrag unterschrieben und können Koka erst vernichten, wenn wir von legalen Produkten leben können.“

Seitdem die FARC auf Friedenskurs sind, breitet sich zudem Angst unter den Bauern aus. Immer mehr Gruppen dringen in das Koka-Gebiet, um das Geschäft zu übernehmen oder Steuern einzutreiben. Paramilitärs bedrohen, foltern und töten Bauern und Aktivisten, die den Preis für den Frieden zahlen. Allein 2017 wurden nach Angaben von NGOs bisher 17 Menschenrechtler umgebracht. Die Regierung tut kaum etwas - oder hat nicht genug Macht, um die Aktivisten zu schützen.

Im Oktober 2016 stimmte eine knappe Mehrheit der Kolumbianer mit „Nein“ über den mühsam ausgehandelten Friedensvertrag, der u. a. beabsichtigte, die FARC-Aktivisten in die Zivilgesellschaft zu integrieren. Juana Oberlander entschied sich nach dem Referendum zu handeln. Mit Freunden rief sie Bürger auf, der FARC-Guerilla Briefe zu schreiben – als Zeichen der Solidarität. Jetzt wo der Friedensvertrag in trockenen Tüchern ist, können sich die Verfasser der Briefe sogar persönlich treffen. Doch der Übergang in ein ziviles Leben scheint für viele Kämpfer undenkbar.

Film von Matthias Ebert, phoenix/SWR/2017


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