Dokumentation

Mittwoch, 16. August 2017, 20.15 Uhr

Flucht in die Freiheit (1/2 & 2/2)

20.15/1.15 Uhr Flucht in die Freiheit 1/2: Mit dem Mut der Verzweiflung

Rund 250 DDR-Bürger krochen in den ersten Jahren nach dem Mauerbau in einem Tunnel unter der Erde 'nach drüben' und riskierten dabei ihr Leben.; Bild: PHOENIX/ZDF/Jörg Müllner' (S2)   Rund 250 DDR-Bürger krochen in den ersten Jahren nach dem Mauerbau in einem Tunnel unter der Erde "nach drüben" und riskierten dabei ihr Leben.

Sie sprangen über Stacheldraht, fälschten Pässe, riskierten ihr Leben im Todesstreifen, kaperten U-Bahnen - einer stahl sogar einen Panzerwagen, um die Mauer zu überwinden. Nachdem das SED-Regime in der Nacht zum 13. August 1961 in Berlin die Sektorengrenzen zum Westen geschlossen hatte, versuchten Tausende die Absperrungen zu durchbrechen und in den Westen zu fliehen. Die zweiteilige Dokumentation widmet sich einigen besonders bewegenden Flüchtlingsschicksalen.

Fluchttunnel galten in den ersten Jahren nach dem Mauerbau als vermeintlich sicherster Weg, um in den Westen zu gelangen. Zwischen 1961 und 1964 herrschte in Berlin eine regelrechte „Tunnelkonjunktur“. Dutzende unterirdische Gänge wurden von West nach Ost und Ost nach West durch den Boden getrieben. Doch für viele wurde dieser Fluchtweg zum Verhängnis: „Tunnelgräber“ galten in der DDR als Staatsfeinde, auf sie wurde Jagd gemacht. In einer erst kürzlich entdeckten „Tunnelkartei“ des Ost-Berliner Ministeriums für Staatssicherheit sind über 200 Versuche dokumentiert, die Mauer zu unterlaufen - nur 19 waren erfolgreich. Die Stasi war erstaunlich gut informiert über die unterirdischen Aktivitäten. Die Akten belegen, mit welchem Aufwand, aber auch mit welcher Gewalt DDR-Grenztruppen und die Staatssicherheit die zahlreichen Tunnelgräber verfolgten. Dennoch gelangten insgesamt über 250 DDR-Bürger unter der Erde „nach drüben“.

Film von Jörg Müllner, ZDF/2009

21.00/2.00 Uhr Flucht in die Freiheit 2/2: Mit allen Mitteln

Mit jeder geglückten Flucht wurden die Schlupflöcher in den DDR-Grenzanlagen beseitigt. Der Ausbau der Mauer wurde bis ins Wahnhafte perfektioniert - in den 70er Jahren setzte die DDR so genannte Selbstschussanlagen ein. Den „imperialistischen Schutzwall“ ließ sie sich einiges kosten: Rund eine Milliarde Ost-Mark flossen jährlich allein in die Instandhaltung der circa 1400 Kilometer langen innerdeutschen Grenze. Dennoch suchten immer wieder Menschen nach neuen Wegen, das ausgeklügelte Grenzsystem der DDR zu überlisten.

Mit einem selbstgebauten Heißluftballon planen die Familien Strelzyk und Wetzel ihre Flucht in die Freiheit. Die Vorbereitungen dauern Monate. Am 3. Juli 1979 misslingt der erste Versuch. Nur zweihundert Meter vor dem Todesstreifen bleibt der Ballon in den Bäumen hängen. Erst Tage später entdecken ihn die Grenztruppen. Nun ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Spur die Stasi zu den Fluchtwilligen führt. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Tag und Nacht nähen die Familien an einem neuen, größeren Ballon. Am 16. September 1979 wagen sie den zweiten Versuch. Doch auch dieses Mal läuft nicht alles nach Plan. Der Ballon reißt, der Gasbrenner setzt aus. Die Grenzer entdecken den Ballon und erbitten um Schießbefehl aus Berlin. Doch als der eintrifft, ist der Ballon bereits mit Bruchlandung im Westen angekommen. Die Flucht im selbst genähten Heißluftballon sorgt weltweit für Schlagzeilen. 1981 wird sie in Hollywood verfilmt.

Auch die jungen Ostberliner Hobby-Surfer Karsten Klünder und Dirk Deckert wollen die Bespitzelungen und Gängelein in der DDR nicht länger ertragen. Frei reisen, segeln und surfen - davon träumen sie. Heimlich besorgen sie sich aus dem Westen Konstruktionspläne moderner Funboards: Surfbretter, die gleiten können und auch bei starkem Wind noch zu fahren sind. Im November 1986, als die Herbststürme über das Land fegen, wagen sie das Unmögliche: Flucht quer über die Ostsee, 70 Kilometer von Rügen über Hiddensee nach Dänemark. Doch noch in der Brandung reißt sich Dirk Deckert ein Loch in den Segelanzug. Die Überfahrt in eiskaltem Wasser ohne ausreichenden Schutz gleicht einem Selbstmordversuch. Er entscheidet sich umzudrehen, den Anzug zu reparieren und es am nächsten Tag erneut zu versuchen. Karsten Klünder gelingt die riskante Flucht auf dem Surfbrett auf Anhieb. Mit dänischen Fischern sucht er nach seinem Freund und kann ihn einen Tag später erschöpft aus dem Wasser ziehen.

Doch rund 1300 Menschen hat die deutsch-deutsche Grenze in den 28 Jahren ihres Bestehens das Leben gekostet. Über 130 davon starben an der Berliner Mauer.

Film von Oliver Halmburger, ZDF/2009


Mehr zum Thema


LOGIN





Zurück: Juli 2017 Sendeplan für August 2017 Weiter: September 2017
Mo Di Mi Do Fr Sa So
01 02 03 04 05 06
07 08 09 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31
Bild des RSS-Logos und Hintergrundmuser; phoenix

RSS-Feeds

Bleiben Sie mit den RSS-Feeds der phoenix-Presselounge immer auf dem neuesten Stand.

© 2017 phoenix phoenix ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.