Dokumentation

Samstag, 29. Juli 2017, 22.30 Uhr

Die Folgen der Tat

Christa und Julia Albrecht (r) im Gespräch.   Christa und Julia Albrecht (r) im Gespräch.

„Die Folgen der Tat” ist eine sehr persönliche Aufarbeitung des RAF-Attentats von Susanne Albrecht, die an der Ermordung des Dresdner-Bank Chefs Jürgen Ponto im Jahre 1977 beteiligt war. Erzählt wird der Film aus der Sicht von Susannes Schwester Julia. Da Ponto ein enger Freund der Albrechts war, wirkt die Tat auf alle Familienmitglieder bis heute nach.

Julia Albrecht setzte sich mit den Auswirkungen einer folgenschweren Entscheidung ihrer Schwester Susanne auseinander. Diese war am 30. Juli 1977 am RAF-Attentat auf den Dresdner-Bank Chef Jürgen Ponto beteiligt. Die enge Freundschaft zwischen den Familien Albrecht und Ponto hatte Susanne Albrecht den Zugang zum Hause Ponto ermöglicht. Für den Tattag hatte sie sich zu einem Besuch angemeldet. Sie kam in Begleitung von Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt, die Jürgen Ponto zunächst bedrohten und dann erschossen. Julia war damals 13 Jahre alt.

Die Tat der RAF-Terroristen erschütterte die Bundesrepublik umso mehr, als sie als Anschlag auf Vertrauen, Moral und Anstand gewertet wurde. Bis heute setzt sich die Familie Albrecht immer wieder mit dem Geschehenen auseinander. Julia Albrecht gelang es, ihre Mutter und ihren Bruder Matthias zu überzeugen, vor der Kamera über die Tat und deren Folgen zu sprechen, die Susanne Albrecht vor fast 40 Jahren in Gang setzte, und die sich so tief in das Selbstverständnis der Familie eingegraben hat. Es war kein leichter Weg für sie. Die intensive Beschäftigung mit der Erinnerung, dem erneuten Versuch, das Unverständliche zu verstehen sowie die Motivation Susannes und der RAF-Terroristen zu erfassen, verursachte emotionale Ausnahmesituationen. Dadurch kam das Projekt immer wieder zum Stocken. Das gab den Beteiligten Zeit, ihre Mitwirkung zu überdenken – aber auch sich umso differenzierter mit der Tat und ihren Folgen auseinanderzusetzen. Bis heute ist der Umgang mit Susanne und ihrer Tat für die Familienangehörigen schwierig bis unmöglich.

Film von Julia Albrecht und Dagmar Gallenmüller, WDR/2015


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