Dokumentation

Freitag, 07. April 2017, 20.15 Uhr

Deutschland-Saga (1/3 & 3/3)

20.15/0.45 Uhr Deutschland-Saga 1/3: Woher wir kommen

Unter der Herrschaft Otto des Großen (David C. Bunners) entwickelt sich das Reichsgebiet zu einer Art 'Dachverband der Deutschsprachigen'. Von Einheit und Nation kann jedoch noch lange nicht die Rede sein.; Bild: PHOENIX/ZDF/Juliane Eirich' (S2)   Unter der Herrschaft Otto des Großen (David C. Bunners) entwickelt sich das Reichsgebiet zu einer Art "Dachverband der Deutschsprachigen". Von Einheit und Nation kann jedoch noch lange nicht die Rede sein.

Ein Vierteljahrhundert ist seit dem Mauerfall vergangen. Eine friedliche Revolution – selten in der Weltgeschichte. „Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört“, lautet ein berühmtes Zitat. Doch was gehört da eigentlich zusammen? Der australische Historiker und Autor Christopher Clark geht auf Erkundungsreise durch die Bundesrepublik. Die TV-Reihe ist ein ebenso opulenter wie überraschender Streifzug, bei dem die Zuschauer auch den Superstars deutscher Geschichte begegnen. Sie erleben weltverändernde Leistungen, großartige Landschaften und jene liebenswerten Eigenheiten der Deutschen, die auch heute noch unser Bild im Ausland prägen. Ob es die Liebe zum „Schrebergarten“, die so genannten deutschen Tugenden oder das „Abendbrot“ sind...

Erzählt und moderiert wird die Doku-Reihe von Professor Christopher Clark, gebürtiger Australier und Historiker an der Universität Cambridge. Er ist ausgewiesener Experte für deutsche Geschichte, verheiratet mit einer Deutschen und geradezu leidenschaftlich an der Frage interessiert, wie die Menschen hierzulande wurden, wie sie sind.

Die Frage nach den deutschen Ursprüngen führt den Historiker zunächst auf die Schwäbische Alb, wo vor rund 14.000 Jahren steinzeitliche Jäger lebten. Im Eselsburger Tal stellte der Homo sapiens Rentieren und Bären nach, suchte Schutz in den Höhlen der Kalkfelsen und fertigte raffinierte Steinwerkzeuge an. Die „Deutschen“ jener Zeit waren durchaus schöpferisch, ihre Erfin­dungen „made in Germany“ fanden schon damals weite Verbrei­tung. Doch sind die urzeitlichen Bewohner des Schwabenlandes bei weitem nicht als erste Vorfahren der späteren Deutschen an­zusehen.

Weil es den Römern nicht gelang, die Germanen zu unterwerfen, wurde der größere Teil des späteren Deutschland nicht romanisiert. Und noch etwas gehört zum Erbe jener Epoche, die bis zur Völkerwanderung andauerte: das spätere Deutschland blieb ein Land der Stämme, der Alemannen, Franken, Bajuwaren, Hessen, Friesen, Sachsen und anderer, die immer wieder auf ihre Eigenständigkeit pochten – und das gelegentlich auch heute noch.

Film von Sebastian Scherrer und Gero von Boehm, ZDF/2014

21.00/1.30 Uhr Deutschland-Saga 2/3: Was uns eint

Jene bewegenden Szenen, die um die Welt gingen, von Wende, Mauerfall und Einigung, sind inzwischen ein Vierteljahrhundert alt. Noch immer zeugen eindrucksvolle Filmaufnahmen, Bilder und ein Musik-Hit davon, wie der „Wind des Wandels“ um sich griff und die Menschen mit sich nahm. Was sich damals ereignete, zählt ohne Übertreibung zu den historischen Glücksfällen der deutschen Geschichte: Zum ersten Mal wurde die deutsche Einheit in Freiheit und in Frieden Wirklichkeit, eine Premiere. Doch auch schon lange davor bemühten sich Menschen immer wieder um die Einheit im Herzen Europas.

Christopher Clark reist in seinem VW Käfer nach Aachen, dem Lieblingsort Karls des Großen. Der mächtige Frankenherr­scher, den bereits Zeitgenossen als „Vater Europas“ bezeichne­ten, war getrieben von der Idee, ein im christlichen Glauben ge­eintes Imperium zu errichten. Schritt für Schritt dehnte er seinen Herrschaftsraum nach Osten aus, verleibte seinem Reich auch die Gebiete der Bayern und der Sachsen ein und führte dafür grausame Kriege. Es gelang ihm erstmals, die germanischen Festlandsstämme unter einem gemeinsamen Dach zu vereinen – ob es ihnen gefiel oder nicht. Karl verlieh dem europäischen Viel­völkergebilde eine politische Struktur und schuf damit auch eine Grundlage für das spätere Reich der Deutschen.

Clarks Suche nach dem, was die Nation eint, führt ihn schließlich auf die Spur jenes Mannes, der den Deutschen eine gemeinsame Sprache gab: Martin Luther wurde zur Identifikationsfigur, zu ei­ner Art „Popstar“ seiner Zeit. Er wetterte gegen das päpstliche Rom und appellierte an nationale Gefühle. Doch Luthers Refor­mation spaltete zugleich. Der Glaubensstreit führte später in den Dreißigjährigen Krieg, der das Land verwüstete und Deutschland zum Schlachtfeld Europas machte.

Anders als zum Beispiel Briten und Franzosen gelang es den Deutschen bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht, in einem geeinten Staat zu leben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland von den Siegern geteilt. Nie wieder sollten von deutschem Boden Massenmord und Krieg ausgehen. Erst nach Jahrzehnten kam die Wiedervereini­gung – in der Erkenntnis, dass Deutschland und Europa nur in enger Bindung zueinander bestehen können.

Film von Sebastian Scherrer und Gero von Boehm, ZDF/2014

21.45/2.15 Uhr Deutschland-Saga 3/3: Wovon wir schwärmen

Warum haben Wälder, Ritterburgen, Märchen, Mythen und Sagen eine so große Bedeutung im Reigen der Befindlichkeiten, die man den Deutschen immer wieder zuschreibt? Warum nehmen Dramen wie das Nibelungenlied einen so hohen Rang in der kulturellen Selbstwahrnehmung ein? In der dritten Folge der Deutschland-Saga macht sich Christopher Clark auf die Suche danach, was Deutsche zum Schwärmen bringt.

Auf der Gefühlsskala rangiert der Wald ganz oben. Diese Vorliebe hat eine lange Tradition. Schon der römische Geschichtsschreiber Tacitus beschrieb „Germanien“ als ein Land unendlicher Wälder. Eigenartig wirkte auf die Römer, dass es keine Tempelbauten gab, vielmehr Haine und Bäume, die als Heiligtümer verehrt wurden. Tatsächlich haben sich die Deutschen ihre innige Beziehung zu den Pflanzenriesen bewahrt. Eng verbunden mit dem Wald sind viele deutsche Märchen, wie etwa Hänsel und Gretel oder Rotkäppchen und der Wolf. Sie und andere Figuren entstammen der „Kinder- und Hausmärchen“ der Gebrüder Grimm, die – gleich nach der Lutherbibel – das weltweit meistverbreitete Buch der deutschen Kulturgeschichte sind. Die Welt der Märchen hat das Bild Deutschlands bis heute geprägt.

Christopher Clarks Reise führt auch am Rhein entlang. Schon zu Zeiten der Römer war dieser Fluss die große Verbindungsachse in Europa. Kaufleute, Pilger und auch Kriegsheere nutzten den prominenten Wasserweg. Doch bis jemand fragte „Warum ist es am Rhein so schön?“, sollte es noch eine Weile dauern. Die Romantik machte den Rhein zum Mythos. Heinrich Heines Loreley-Lied brachte es zu einer Art deutscher Hymne. Die Dich­ter jener Epoche schwärmten für ursprüngliche Landschaften, sahen in der beginnenden Industrialisierung und Verstädterung eine Gefahr, warfen dem modernen Zeitalter vor, die Welt allein unter dem Aspekt der Nützlichkeit und Verwertbarkeit zu be­trachten. Eine Denktradition, die bis ins Heute reicht.

Film von Sebastian Scherrer und Gero von Böhm, ZDF/2014


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